Monsunforschung auf dem Dach der Welt

Wechselnde Winde

Insbesondere am Nam Co identifizierten die Wissenschaftler schließlich in jüngerer Vergangenheit eine auffällig feuchte Klimaphase, die mit der sogenannten Mittelalterlichen Warmzeit (etwa 800 bis 1300 n. Chr.) in Zusammenhang stehen könnte. Die milden Temperaturen damals wurden vermutlich durch eine deutlich verstärkte Sonnenaktivität und einen weltweit ungewöhnlich geringen Vulkanismus ausgelöst. Generell zeigen die neuen Ergebnisse, dass es in der Klimageschichte des Tibetischen Plateaus seit der letzten Eiszeit sowohl feuchte als auch trockene Zeitabschnitte gab. Momentan herrscht eine Trockenperiode im Hochland vor. Es gibt also vielfältige Wechselwirkungen zwischen den verschiedenen Windsystemen auf dem Tibetischen Plateau, den Westwinden und dem Monsun. 

Bis jedoch die Entwicklung des tibetischen Klima- und Monsunsystems vollständig rekonstruiert ist, bleibt noch einiges zu tun. So wollen die Forscher einer Reihe weiterer Seen in Zentraltibet ihre Geheimnisse entlocken. Die Gewässer werden so ausgewählt, dass sie gut über das Plateau verteilt sind und dadurch alle wichtigen Wasserquellen untersucht werden können. „Je mehr Beprobungspunkte wir haben, desto exakter sind letztendlich auch unsere Rekonstruktionen“, sagt Gleixner. 

Langfristig ist zudem eine besonders tiefe Bohrung im Nam Co geplant. Die dabei gewonnenen Sedimente könnten wichtige neue Resultate über die letzte Warmzeit (Eem) liefern, die vor etwa 126.000 Jahren begann und rund 115.000 Jahren endete. Damit hätten die Forscher einen weiteren Mosaikstein der Klima- und Monsungeschichte des tibetischen Plateaus enträtselt. „Und irgendwann steht dann ein Vergleich unserer Ergebnisse mit weiteren Paläoklimadatensätzen an, unter anderen in Klimamodellen“, blicken die Jenaer Biogeochemiker in die Zukunft. Vielleicht gelingt es ihnen ja am Ende tatsächlich, aus den ermittelten Monsunänderungen der Vergangenheit zu lernen und gute Prognosen für die Klimazukunft Tibets zu erstellen. Für Mensch und Natur in diesem extremen Lebensraum könnte dies überlebenswichtig sein.

GEOMAX Ausgabe 19, Sommer 2012; Redaktion: Christina Beck, Autor: Dieter Lohmann

Zur Redakteursansicht
loading content