Monsunforschung auf dem Dach der Welt

Zeitreise in die Vergangenheit

Das Tibetische Plateau ist Ursprung der meisten großen Flüsse Asiens und beherbergt verschiedene Salz-und Süßwasserseen. Die Max-Planck-Forscher haben diesen Seen Sedimente entnommen, um der Klimageschichte des Plateaus auf die Spur zu kommen. Bild vergrößern
Das Tibetische Plateau ist Ursprung der meisten großen Flüsse Asiens und beherbergt verschiedene Salz-und Süßwasserseen. Die Max-Planck-Forscher haben diesen Seen Sedimente entnommen, um der Klimageschichte des Plateaus auf die Spur zu kommen.

Um an die Klima-Bibliotheken der Seesedimente heranzukommen, werden aufwändige Bohrungen auf dem „Dach der Welt“ durchgeführt. Als wahre Fundgrube für chemische Fossilien hat sich der Salzsee Nam Co, 120 Kilometer nördlich der tibetischen Hauptstadt Lhasa entpuppt. Der Nam Co – tibetisch für „Himmlischer See“ – hat keinen Abfluss und ist rund vier bis fünf Mal so groß wie der Bodensee. Er befindet sich in einer regenarmen Region nördlich des mächtigen Nyainqêntanglha Gebirges. Gerade mal 281 Millimeter Meter Niederschlag fällt hier im Jahr, ein Großteil davon in der Monsunzeit von Mai bis Oktober. Am Nam Co verdunstet jedoch viel mehr Wasser (790 Millimeter) als durch den Monsun bereitgestellt wird. Trotzdem ist der Seespiegel in den vergangenen Jahren durch die Gletscherschmelze im Zuge der globalen Erwärmung enorm angestiegen. 

Die Max-Planck-Forscher interessiert jedoch weniger das Heute, ihr Forschungsblick geht auf der Zeitachse gesehen in die andere Richtung: Wie stark war der Monsun am Nam Co etwa während und nach der letzten Eiszeit, die vor 115.000 Jahren begann und vor 11.700 Jahren endete? Das haben die Forscher vor kurzem anhand eines Bohrkerns aus dem See enthüllt, dessen Sedimente bis in die Zeit vor 23.000 Jahren zurückreichen. Die Untersuchungen ergaben, dass in diesen eiszeitlichen Sedimenten nur wenige chemische Fossilien aus Pflanzen enthalten sind. Zu dieser Zeit war das Pflanzenwachstum offenbar stark eingeschränkt - durch niedrige Temperaturen und/oder geringe Niederschläge. Im Holozän, das vor rund 12.000 Jahren begann, ist es dann weltweit viel wärmer geworden und die Pflanzen konnten besser wachsen, weshalb sich in den jüngeren Sedimenten viel mehr chemische Fossilien finden. 

Spiegelt sich dieser Trend auch in Veränderungen des Monsunsystems seit der letzten Eiszeit wider? Dazu haben die Forscher die chemischen Fossilien in den Sedimenten verschiedener tibetischer Seen verglichen. Neben dem Nam Co gehörten dazu Bangong Co, Sumxi-Longmu Co, Selin Co, Cuo Co sowie der Qinghai-See. Diese liegen weit über das Plateau verteilt und ermöglichen dadurch Rückschlüsse auf die Ausdehnung der unterschiedlichen dort existierenden Luftmassen – etwa ob der Monsun zu einer bestimmten Zeit stärker oder schwächer war und es dementsprechend mehr bzw. weniger geregnet und geschneit hat. 

„Vor 10.000 Jahren begann ein langer Zeitabschnitt, in dem viele Niederschläge gefallen sind, vor allem im Südosten des Tibetischen Plateaus“, sagt Gleixner. „Die Niederschläge wurden vom indischen und ostasiatischen Sommermonsun mitgebracht“. Darüber hinaus zeigen die Sedimente, dass das südöstliche Plateau damals deutlich länger und intensiver vom Sommermonsun beeinflusst wurde als der Nordwesten. Ein Abschwächen des Monsuns, das vor etwa 6.000 Jahren begann, sorgte in der Folge an den meisten Seen für trockenere Klimabedingungen – erkennbar unter anderem am Absinken der Seespiegel und der zunehmenden Versalzung des Wassers. Vor 3.000 Jahren gab es dann einen weiteren Zeitabschnitt mit stärkeren Niederschlägen, die hauptsächlich im Bereich von Bangong Co, Sumxi-Longmu Co und Selin Co niedergingen. Sie stammten nach den Ergebnissen der Forscher von den Westwinden, deren Einfluss allerdings nach Südosten hin abnahm.

Seesedimente enthüllen feuchte und trockene Klimaperioden auf dem Tibetischen Plateau in den letzten 12.000 Jahren. Bild vergrößern
Seesedimente enthüllen feuchte und trockene Klimaperioden auf dem Tibetischen Plateau in den letzten 12.000 Jahren.
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