Monsunforschung auf dem Dach der Welt

Eine weltweite Klima-Maschine

Verschiedene Luftmassen beeinflussen das Klima auf dem Tibetischen Plateau: der Indische und der Ostasiatische Sommermonsuns bringen Wärme und viel Feuchtigkeit; der Wintermonsun und die Westwinde sorgen für Kälte und Trockenheit. Bild vergrößern
Verschiedene Luftmassen beeinflussen das Klima auf dem Tibetischen Plateau: der Indische und der Ostasiatische Sommermonsuns bringen Wärme und viel Feuchtigkeit; der Wintermonsun und die Westwinde sorgen für Kälte und Trockenheit.

Entstanden ist das Hochland von Tibet vor etwa 50 Millionen Jahren durch die Kollision der Indischen und der Asiatischen Platte. Erst in den letzten 2,6 Millionen Jahren – im Erdzeitalter des Quartärs – hatte sich das Plateau dann so weit gehoben, dass es Einfluss auf das globale Klima der Erde nehmen konnte. So wurden etwa die Luft- und Zirkulationsverhältnisse vor Ort verändert und das so genannte Monsunsystem setzte ein, das als wichtiges Zahnrad in der weltweiten Klima-Maschine gilt. Typisch für den Monsun sind die jahreszeitlich wechselnden kräftigen Winde, die schon vor über tausend Jahren arabische Seefahrer für ihre ausgedehnten Reisen nutzten. Während der Monsun-Saison kommt es aber auch zu heftigen Niederschlägen, die zum Teil sintflutartige Ausmaße annehmen können. Als feuchtester Ort der Erde gilt mit durchschnittlich 11.872 Millimeter jährlich das nordindische Dorf Mawsynram nahe des Himalayas, wo der Monsunregen besonders üppig ausfällt. Hier gibt es manchmal innerhalb von 24 Stunden mehr Niederschlag als in Deutschland in einem ganzen Jahr.

Angetrieben wird das großräumige Monsunsystem, das nicht nur das Klima in Asien, sondern auch in Nordaustralien oder Ostafrika beeinflusst, durch Luftdruckunterschiede über dem Meer und den Kontinenten. So wirken beispielsweise die indischen Landmassen und das Tibetische Plateau im Frühjahr und Sommer wie überdimensionale Heizplatten, die sich durch die sehr starke Sonneneinstrahlung viel schneller erwärmen als etwa die Wasserflächen des Indischen Ozeans. Über dem Kontinent bildet sich infolge der aufsteigenden warmen Luft ein Tiefdruckgebiet aus. „Vor allem zwischen Juni und September strömt feuchte, warme Luft vom Indischen Ozean auf den Kontinent und bringt die Niederschläge des Sommermonsuns“, sagt Günther. Im Winter dagegen sinkt die kalte Luft über dem Land ab und ein Hochdruckgebiet entsteht. Dadurch strömen die trockenen und kalten Luftmassen vom Kontinent in Richtung des viel wärmeren Meeres (Wintermonsun).

Die Bedeutung des Klimaphänomens ist enorm: Über 60 Prozent der Weltbevölkerung sind allein vom asiatischen Monsunsystem abhängig. Denn bleibt der Monsunregen aus, kommt er zu spät oder zu kurz, fehlen in vielen Regionen die wichtigen Niederschläge. Durch Trockenheit sind in den vergangenen Jahrtausenden bereits Kulturen wie die Tang-, Yuan- und Ming-Dynastien Chinas untergegangen. Regnet es aber zu viel auf einmal, gibt es verheerende Überschwemmungen und Erdrutsche. Auf dem Tibetischen Plateau ist der Monsun Garant für vergleichsweise feuchte Sommer – er liefert den Regen, auf den in der Region alle dringend angewiesen sind. Zusammen mit anderen Luftmassen sorgt er aber auch für die trockenen Winter. Doch der Monsun ist kein beständiges, statisches System, sondern unterliegt einem fortwährenden Wandel. Und genau diesem versuchen Gleixner und seine Kollegin Günther in Tibet auf die Spur zu kommen. Sie erforschen und rekonstruieren dort die Monsungeschichte der vergangenen 50 Millionen Jahre.

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