Ein Erfolgsrezept für Klimakonferenzen?

Die Forscher bildeten zahlreiche Gruppen von jeweils sechs Studenten. Diese statteten sie mit realen Euros als Spiel-Kapital und zusätzlich mit einer größeren Summe aus, die das Vermögen einer Volkswirtschaft repräsentierte und die die Studenten während des Spiels nicht antasten durften. Jedes Spiel, das die Mitglieder jeweils einer Gruppe unter sich austrugen, dauerte zehn Runden. In jeder Runde konnten die Spieler von ihrem Kapital Geld in einen gemeinsamen Topf einzahlen. Was sie von ihrem Kapital nicht eingezahlt hatten, durften sie nach der zehnten Runde in jedem Fall behalten. Enthielt der Topf nach der zehnten Runde mindestens 120 Euro, durften alle Spieler zusätzlich ihr Vermögen behalten. Übertragen auf den Klimawandel, bedeutete das: Gemeinsam hat man ihn auf ein erträgliches Maß beschränkt. Verfehlte eine Gruppe das Ziel, verloren alle Spieler mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 Prozent ihr Vermögen.

Um das unterschiedliche Verhalten von reichen und armen Ländern zu berücksichtigen, differenzierten die Forscher auch in ihrem Spiel zwischen reichen und armen Spielern. Den reichen gaben sie 40 Euro als verfügbares Kapital und 60 Euro als Vermögen. Die armen Spieler erhielten 20 Euro für den Einsatz im Spiel und 30 Euro als Vermögen. In einigen Gruppen spielten nur arme Spieler, in anderen nur reiche und in wieder anderen drei arme sowie drei reiche. Die Gruppen armer Spieler verfehlten das Spielziel immer, die reichen Gruppen erreichten es immer und die gemischten Gruppen erreichten es in 60 Prozent der Fälle.

Das änderte sich, wenn schon ab der Hälfte des Spiels Verluste drohten. Diese konnten die Spieler jedoch auch abwenden, indem sie in den ersten fünf Runden insgesamt 60 Euro sammelten. Schafften sie das nicht, büßten sie jeweils mit einer Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent in jeder folgenden Runde zehn Prozent ihres verfügbaren Kapitals und ihres Vermögens ein. Das Zwischenziel schafften sechs von neun armen Gruppen und immerhin drei erreichten das Endziel. Alle reichen und gemischten Gruppen brachten bis zur fünften runde 60 Euro auf. Nach der zehnten Runde hatten alle reichen Gruppen 120 Euro gesammelt. Das schafften auch zwei Drittel der gemischten Gruppen, und die, die am Endziel scheiterten, kamen ihm immerhin sehr nahe. Den Spielern half letzteres nicht – sie gingen in neun von zehn Fällen ohne Geld heim. Beim Klimaschutz könnte knapp daneben aber immer noch reichen.

Die erste positive Anregung für Klimakonferenzen

„Uns hat vor allem überrascht, dass die Spieler mit viel Geld in den gemischten Gruppen deutlich mehr investierten als in reichen Gruppen, wenn schon ab der Mitte des Spiels Verluste drohten“, sagt Manfred Milinski. „Ich hatte angenommen, dass kaum einer die zehnprozentige Wahrscheinlichkeit eines Verlusts ernst nimmt.“ Offenbar schreckt diese Aussicht aber besonders jene, die einerseits viel zu verlieren haben und die andererseits leichter die Mittel aufbringen können, um den Verlust zu vermeiden. In den Klimaverhandlungen sind das die Industrienationen.

In ähnlichen Spielen haben Manfred Milinski, Jochem Marotzke und ihre Mitarbeiter schon mehrfach das Geschehen auf Klimakonferenzen simuliert. Dabei haben sie genau das unkooperative Verhalten beobachtet, an dem auch die Klimaverhandlungen bisher stets gescheitert sind. „Jetzt können wir zum ersten Mal eine positive Anregung für die Verhandlungen geben“, sagt Manfred Milinski. Natürlich lasse sich einwenden, dass die Situation bei den Klimakonferenzen viel komplexer ist. Doch der Max-Planck-Wissenschaftler ist überzeugt, das prinzipielle Verhalten in einem sozialen Dilemma mit kollektivem Risiko im Prinzip richtig zu erfassen: „Es könnte ein Riesenfehler sein, unsere Ergebnisse nicht zu berücksichtigen.“

Sein Kollege Jochem Marotzke arbeitet schon daran. Er leitet ein Forschungsprojekt des Bundesforschungsministeriums, das zuverlässige mittelfristige Klimaprognosen erstellen soll. „Diese Klimaveränderungen sind besonders schwer vorauszusagen, weil die statistische Unsicherheit dabei wegen natürlicher Schwankungen ziemlich hoch ist“, sagt der Hamburger Meteorologe. Er ist jedoch überzeugt, dass es sich lohnt diese Voraussagen zu verbessern: „Nur wenn die Zukunft nah genug ist, besitzt sie politische Zugkraft.“

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