Warum sich Fremdgehen lohnen kann

Vaterschaftstest im Nistkasten

Blaumeisenjunge im Nistkasten. Von einer solchen Brut überleben selten mehr als zwei Jungvögel den ersten Winter. Bild vergrößern
Blaumeisenjunge im Nistkasten. Von einer solchen Brut überleben selten mehr als zwei Jungvögel den ersten Winter.

Das ist hier die Frage“ – unter diesem Titel stellte Charles Darwin in seinem Notizbuch die Vor- und Nachteile einer möglichen Heirat zusammen. Mit dem Heiraten würden Kinder Einzug halten in sein Leben, er besäße „ein Heim und jemanden, der das Haus in Ordnung hält, musikalische Unterhaltung und weibliches Geplauder – diese Dinge sind gut für die Gesundheit“, schrieb der 28-Jährige. Andererseits drohten „Sorge und Verantwortung, der Zwang, Verwandtenbesuche zu empfangen, weniger Geld für Bücher – und Zeitverlust. Kann abends nicht lesen“, so der Eintrag. Zu guter Letzt kam er jedoch zu dem Schluss: „Stell Dir eine nette, sanfte Frau auf dem Sofa vor, mit einem warmen Kaminfeuer, Büchern und vielleicht Musik – und vergleiche dieses Bild mit der düsteren Realität. Heiraten – Heiraten – Heiraten. Q.E.D.

Was die eigentlichen Motive bei der Partnerwahl sind und wer die treibende Kraft dabei ist, wusste Darwin 1837 noch nicht. Denn erst langsam tastete er sich an seine Evolutionstheorie heran; sein Werk über die sexuelle Selektion („Die Abstammung des Menschen und die geschlechtliche Zuchtwahl“) veröffentlichte er gar erst 1871. Da war ihm eine Lücke aufgefallen, die es noch zu füllen galt: Es gibt nämlich Merkmalsausprägungen in der Natur, die für ihren Träger eher nachteilig sind und im Sinne der natürlichen Selektion als schlecht angepasst gelten müssen – zum Beispiel das Prachtgefieder des Pfaus. Es ist alles andere als effizient; es ist sogar ein Handicap. Denn es bindet Ressourcen, ist bei der Bewegung hinderlich und lockt neben den Weibchen auch Beutegreifer an.

Und dennoch, nicht nur bei Menschen scharrt sich das weibliche Geschlecht gern um „tolle Mannsbilder“, bei vielen Tierarten ist das nicht anders. Nichts vermag eine potenzielle Partnerin besser von den eigenen Vorzügen zu überzeugen als ein „teures“ Signal. Denn nur ein teures Signal ist auch fälschungssicher. Und so gibt der Pfau zuverlässig an: Hier ist ein Individuum in bester Verfassung – eines, dass es sich leisten kann, eine derartige Pracht zu entfalten. Ein solches Investment zahlt sich offenbar aus, und zwar in der Zahl der Nachkommen. Sie erben dieses Merkmal, das ihnen nun ebenfalls wieder einen Fortpflanzungsvorteil verschafft. Sexuelle Selektion nannte Darwin diesen Selektionsmechanismus.

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