Was Forscher für Deutschland vorraussagen

Das große Spiel um`s Klima

Drohender Geldverlust macht Druck: Die Spielgruppen erreichen das kollektive Spendenziel nur, wenn ein Misserfolg einen zu 90 Prozent wahrscheinlichen Verlust ihres Geldes erwarten lässt (blaue Linie). Bild vergrößern
Drohender Geldverlust macht Druck: Die Spielgruppen erreichen das kollektive Spendenziel nur, wenn ein Misserfolg einen zu 90 Prozent wahrscheinlichen Verlust ihres Geldes erwarten lässt (blaue Linie).

Wie wichtig eine solche ist, hat im Jahr 2008 eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung angedeutet: Danach könnten durch die globale Erwärmung in den kommenden 50 Jahren volkswirtschaftliche Kosten in Höhe von 800 Milliarden Euro allein auf Deutschland zukommen. Allerdings wären diese zumindest teilweise noch vermeidbar - schnelles Handeln im Klimaschutz vorausgesetzt. Nun bedarf es dazu aber der Mitwirkung jedes Einzelnen. Und genau hier offenbart sich ein Dilemma, denn die individuelle Investition in den Klimaschutz birgt ein persönliches Risiko: Wenn die anderen gar nicht oder zu wenig investieren, dann war unser Einsatz umsonst; die Folgen des Klimawandels müssten wir aber trotzdem tragen. Wie lassen sich Menschen angesichts einer solchen Situation zum gemeinsamen Klimaschutz bewegen?

Max-Planck-Forscher haben dieses Dilemma in einem Experiment untersucht: Sie setzten 30 Teams mit jeweils sechs Studenten an ein interaktives Computerspiel, Public Goods Game genannt. Es ging darum, Geld von einem persönlichen Konto (40 Euro) für den Klimaschutz zu spenden. Das gemeinsame Klimaschutzziel war erreicht, wenn eine Gruppe in zehn Spielrunden anonym insgesamt 120 Euro gesammelt hatte. Der Anreiz: Bekam ein Team die notwendige Summe zusammen, erhielt jeder Mitspieler das Restgeld von seinem persönlichen Konto ausgezahlt. Wurde das Spendenziel jedoch nicht erreicht, waren das Spiel und damit auch das persönliche Guthaben verloren. Jeder einzelne konnte nun darauf spekulieren, dass die anderen in seiner Gruppe genug investierten - er hätte dann am Ende mehr Geld auf seinem Konto. Das Risiko dabei: das kollektive Ziel wird nicht erreicht und das Geld ist verloren.

Die Forscher variierten nun dieses Verlustrisiko. Betrug die Wahrscheinlichkeit, das Restgeld nicht ausgezahlt zu bekommen, 90 Prozent - „also genau die Verhältnisse, die wir haben, um den gefährlichen Klimawandel abzuwenden", sagt Manfred Milinski - so schaffte die Hälfte der Gruppen die 120 Euro (bei 50 Prozent oder gar nur 10 Prozent blieben alle Gruppen dagegen weit unter dem Spendenziel). Das Resultat stimmt nachdenklich: „Es wird deutlich, dass man die Menschen von den noch zu erwartenden dramatischen Auswirkungen des Klimawandels überzeugen muss", so Milinskis Kollege Jochem Marotzke. Außerdem sei es wichtig, beim Klimaschutz an die persönlichen Interessen der Beteiligten zu appellieren.

Ist das auch eine mögliche Strategie für das "globale Klimaspiel", an dem hunderte von Regierungen und Milliarden von Menschen teilnehmen? Und speziell für die internationalen Verhandlungen über das wichtige Kyoto-Folgeabkommen? Vielleicht. „Aber es ist schon bedenklich, dass unsere Spielgruppen auch bei dem höchsten Verlustrisiko es in der Hälfte der Fälle nicht geschafft haben, die 120 Euro aufzubringen", sagt Marotzke. Eine schlechte Botschaft, denn größere Gruppen hätten sicher noch mehr Probleme.

GEOMAX Ausgabe 15, Winter 2008/2009; Redaktion: Christina Beck, Autor: Dieter Lohmann

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