Was Forscher für Deutschland vorraussagen

Im Süden mehr Sonne und weniger Regen

Änderung des Jahresmittels der Temperatur (in °C) für die Periode von 2071-2100 gegenüber 1961-1990. Das B1-Szenario geht von niedrigen Treibhausgas-Emissionen in Zukunft aus, das A1B-Szenario von mittleren und das A2-Szenario von hohen. Bild vergrößern
Änderung des Jahresmittels der Temperatur (in °C) für die Periode von 2071-2100 gegenüber 1961-1990. Das B1-Szenario geht von niedrigen Treibhausgas-Emissionen in Zukunft aus, das A1B-Szenario von mittleren und das A2-Szenario von hohen.

Die Ergebnisse sind eindeutig: Der Klimawandel nimmt auch Deutschland in den "Schwitzkasten". Die Simulationen zeigen, dass es bis Ende dieses Jahrhunderts vermutlich zu einer mittleren Erwärmung kommt, die zwischen 2,5 und 3,5°C liegen wird. Und noch eines offenbaren die Prognosen: Die Aufheizung des Landes wird saisonal und regional sehr unterschiedlich ausfallen.

Am stärksten dürften sich im Winter der Süden und der Südosten Deutschlands erwärmen. Hier könnten die Temperaturen im Jahr 2100 sogar um mehr als 4°C über den Vergleichswerten von 1961 bis 1990 liegen. Doch das ist noch längst nicht alles. So könnten beispielsweise die sommerlichen Niederschläge in Deutschland bis zum Jahr 2100 großflächig um bis zu 30 Prozent abnehmen. Besonders betroffen sind wahrscheinlich der Süden und Südwesten sowie der Nordosten des Landes. Die Winter zwischen Flensburg und Passau dagegen werden nach den Resultaten der Computersimulationen in Zukunft überall viel feuchter.

In den Alpen ist damit zu rechnen, dass aufgrund der Erwärmung der Niederschlag im Winter häufiger als Regen denn als Schnee fällt. Auch jene schneebedeckten Flächen würden dann verschwinden, die heute noch als schneesicher gelten. In tiefer liegenden Regionen, wie zum Beispiel Garmisch-Partenkirchen oder Mittenwald, soll sich die Zahl der Tage pro Jahr mit geschlossener Schneedecke besonders stark reduzieren. Dort ist eine Abnahme um mehr als die Hälfte möglich - eine Entwicklung, auf die sich beispielsweise die Tourismusbranche einstellen muss, um nicht zu einem der Verlierer des Klimawandels zu werden. Spätestens in knapp 100 Jahren sind in den Alpen wohl "grüne" Alternativen zum Ski- oder Snowboardfahren gefragt. Zu den Gewinnern der Erwärmung könnten dagegen Nord- und Ostseeküste werden. Denn dort soll es bis 2100 nicht nur um bis zu 2,8° C wärmer werden, es fällt gerade in der Hauptreisezeit im Sommer auch bis zu einem Viertel weniger Regen.

„Die schnellen und tief greifenden Veränderungen des Klimas in Deutschland könnten vermutlich gravierende Folgen für Mensch und Umwelt haben", fasst Daniela Jacob die Ergebnisse der Klimasimulationen zusammen. Sorgen machen ihr vor allem die Wetterextreme. „Denn die Schadenspotenziale extremer Ereignisse wie Hitzewellen, starke Niederschläge und Stürme sind oftmals noch wesentlich größer als jene der schleichenden Klimaänderungen". Mit ihren Kollegen analysiert sie deshalb zurzeit in mühsamer Detektivarbeit die errechneten Klimaszenarien und sucht nach Hinweisen, ob solche Wetterextreme in Zukunft häufiger und stärker ausfallen könnten.

Einige Resultate liegen bereits vor. So haben die Hamburger Forscher die Veränderungen bei der Anzahl der Sommertagperioden - das sind zusammenhängende Tage mit einer Maximaltemperatur von mehr als 25°C - bis zum Jahr 2100 näher untersucht. Ergebnis: Im Rhein-Main-Gebiet wird es durchschnittlich alle zwei Jahre Hitzeperioden geben, die 40 Tage oder noch länger dauern. Jahrhundertsommer wie im Jahr 2003 mit Rekordtemperaturen, tausenden Toten und Ernteschäden in Milliardenhöhe könnten in Zukunft somit zur Regel werden.

Änderung der mittleren relativen Jahres- sowie Sommer- und Winterniederschläge (in Prozent) für die Zukunftsperiode 2071-2100 im Vergleich zur Kontrollperiode 1961-1990 für das A1B Szenario. Bild vergrößern
Änderung der mittleren relativen Jahres- sowie Sommer- und Winterniederschläge (in Prozent) für die Zukunftsperiode 2071-2100 im Vergleich zur Kontrollperiode 1961-1990 für das A1B Szenario.
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