Die Nachfrage auf dem Energiemarkt

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Die Ressourcen an Kohle hingegen dürften noch weit über unser Jahrhundert hinausreichen.

Gesetzt den Fall, 2050 steht wie geplant ein kommerzielles Fusionskraftwerk zur Verfügung – wird es dann auf dem Energiemarkt überhaupt gefragt sein? Ein diffiziles Problem, das Hamacher gemeinsam mit seinem Team beleuchtet. „Als erstes versuchen wir abzuschätzen, wie der Energiebedarf in den kommenden Jahrzehnten aussieht“, erklärt der Forscher. „Das hängt maßgeblich davon ab, wie sich die Weltwirtschaft entwickeln wird und ob sich das Wachstum der Schwellenländer wie Indien und China mit acht bis zehn Prozent fortsetzt.“ Wenn ja, könnte sich der Energiebedarf bis zum Jahr 2050 locker verdoppeln, glaubt der Physiker.

Entscheidend auch das Angebot an Energie, das in Zukunft zur Verfügung steht. Die wohl wichtigste Frage lautet aber: Wie lange reichen die fossilen Energieträger Öl, Kohle und Gas, die derzeit rund 85 Prozent des weltweiten Primärenergiebedarfs decken? „Einen gewissen Konsens gibt es beim Erdöl“, sagt Thomas Hamacher. „Die Vorräte, die man etwa in Saudi-Arabien für wenige Dollar pro Barrel aus dem Boden holt, sind begrenzt. In den nächsten zehn bis 30 Jahren kommen wir an den Punkt, an dem die konventionelle Erdölproduktion nicht mehr weiter zunehmen, sondern sinken wird.“

Die Ressourcen an Kohle hingegen – da sind sich die Experten sicher – dürften noch weit über unser Jahrhundert hinausreichen. Unübersichtlicher ist die Lage beim Erdgas. Hier gibt es reiche Vorkommen in Aquiferen, wie Geologen Grundwasser führende Gesteinsschichten nennen, oder als Methanhydrat am Meeresgrund. Unklar ist nur, inwieweit sich diese Bodenschätze mit neuen Fördertechniken erschließen lassen. Bleiben die Primärenergien auf absehbare Zeit günstig, wird die Nachfrage weiter steigen, prognostiziert Hamachers Gruppe. Doch wenn das Angebot dünner wird, dürfte die Menschheit erhebliche Anstrengungen unternehmen, die Nachfrage zu drücken und Energie zu sparen, indem man sie effizienter nutzt.

Dass das möglich ist, zeigt ein simples Beispiel: Technisch gesehen ist es heute machbar, Autos mit einem Verbrauch von zwei bis drei Litern auf 100 Kilometern zu bauen. „Doch im Durchschnitt verbraucht ein Auto in Deutschland neun Liter und in Ländern wie den USA sogar noch mehr“, sagt Hamacher. „Das bedeutet: Hier verfügt die Volkswirtschaft über einen enormen Gestaltungsspielraum.“

Doch womöglich wird der Einsatz fossiler Brennstoffe gar nicht durch knapper werdende Vorkommen limitiert, sondern durch den Treibhauseffekt und die globale Klimaveränderung. „Das ist zumindest seitens der Wissenschaft die große Grenze “, sagt Hamacher. „Will man die CO2-Emissionen ernsthaft senken, darf man die Kohleindustrie nicht intensivieren, darf also weder mehr Kohlekraftwerke bauen noch im großen Maßstab in die Kohleverflüssigung als Methode der Treibstoffgewinnung einsteigen.“ Das Problem: Derzeit scheint die Kohle für Länder wie China und Indien, aber auch in Deutschland, als relativ kostenstabiler Energieträger wieder an Reiz zu gewinnen. „Dann werden wir wahrscheinlich keine CO2-Reduktionsziele erreichen“, meint Hamacher. „Die Auswirkungen sind unvorhersehbar und wahrscheinlich sehr schädlich.“

Zwar sei es durchaus möglich, das Kohlendioxid aus den Schornsteinen von Kohlekraftwerken abzuscheiden und in den Erdboden zu verpressen, etwa in erschöpfte Gas- oder Öllagerstätten. Doch das Potenzial dieser so genannten Sequestrierung ist beschränkt, meint Hamacher. „Wir reden hier über Riesenmengen.“ Der Weltenergieverbrauch liegt bei zehn Milliarden Tonnen Öläquivalent, die letztlich komplett in CO2 umgesetzt werden. „Das müsste man alles in die Erde verpressen“, sagt der IPP-Physiker. „Und was das Kohlendioxid dort unten anrichtet, wenn es sich mit Wasser zu Kohlensäure verbindet, ist völlig unklar. Da ist noch viel Forschung nötig.“ Außerdem würde der technische Mehraufwand die Effizienz des Kraftwerks mindern – so dass noch mehr Primärenergie nötig wäre. So sieht Hamacher die Sequestrierung lediglich als eine Übergangslösung für eine gewisse Zeit.

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