Klimaforscher starten fliegende Kiste

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Airbus der Lufthansa

Wenn Sie sich demnächst mit Lufthansa auf einen Interkontinentalflug begeben sollten, dann achten Sie auf den Namen der Maschine. Ist es die Leverkusen, so nehmen sie vielleicht an einem Forschungsflug teil. Seit Mai diesen Jahres nutzt nämlich ein Wissenschaftlerteam des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie unter der Leitung von Carl Brenninkmeijer den Jet regelmäßig als Plattform für Messungen in der Atmosphäre – ein ehrgeiziges Projekt mit Zukunft.

Am 13. Dezember 2004 flog Bundesumweltminister Jürgen Trittin von Frankfurt aus zur Weltklimakonferenz nach Buenos Aires. Es war kein Zufall, dass er ausgerechnet mit der Leverkusen den Atlantik überquerte, denn so konnten der Max-Planck-Forscher Brenninkmeijer und ein hochrangiger Vertreter der Lufthansa den Minister vor dem Abflug über das Projekt CARIBIC informieren. Der Urlaub und Entspannung verheißende Name steht für das ambitionierte Forschungsprogramm Civil Aircraft for the Regular Investigation of the Atmosphere Based on an Instrumented Container, also etwa: Passagierflugzeuge für die regelmäßige Untersuchung der Atmosphäre mit Hilfe eines Instrumenten-Containers. Hinter diesem komplizierten Namen verbirgt sich ein einfacher Gedanke: Täglich jetten unzählige Passagierflugzeuge um den Globus. Warum sie nicht als fliegende Messstationen benutzen?

Dabei ist die Idee gar nicht so neu, einige Projekte hat es bereits in Europa und Japan gegeben. So haben Forscher im Rahmen von MOZAIC (Measurement of Ozone and Water vapour by Airbus In-service Aircraft) zwischen 1994 und 2004 auf Langstreckenflügen Ozon und Wasserdampf in der Atmosphäre gemessen. CARIBIC ist dagegen ein komplett ausgestattetes analytisches Labor, mit dem sich die Konzentrationen von mehr als 50 klimarelevanten Spurengasen sowie von Wasserdampf und Aerosolen mit großer Genauigkeit bestimmen lassen. „Die Datensätze, die wir mit CARIBIC erhalten, können Wetterballons, Bodenstationen oder Satelliten ebenso wenig liefern wie Kampagnen mit Forschungsflugzeugen“, sagt Carl Brenninkmeijer. Die CARIBIC-Messungen sind eine elegante, sehr sinnvolle und überdies preiswerte Ergänzung.

Im Prinzip lassen sich mit Satelliten bestimmte Spurengase präzise aufspüren. „Wir erwarten aber, dass die Ergebnisse von CARIBIC auch dazu beitragen, Satellitenbeobachtungen deutlich verlässlicher zu machen, und zwar durch den Vergleich der Ergebnisse beider Methoden“, erklärt Brenninkmeijer. Genau genommen handelt es sich bei dem jetzigen Forschungsprogramm um die modernisierte und stark erweiterte Fortsetzung eines sehr erfolgreichen Vorläuferprojekts selben Namens, initiiert im Jahr 1993 von dem damaligen Direktor des Max-Planck-Instituts für Chemie und Nobelpreisträger, Paul Crutzen. Ihm war es gelungen, das Reiseunternehmen LTU für die Atmosphärenforschung zu gewinnen. In eine umgebaute Boeing 767 konnten die Mainzer Forscher ihre Messanlage installieren und zwischen 1997 und 2002 auf vielen Linienflügen einsetzen. Dann aber geriet das Unternehmen in finanzielle Turbulenzen. Es erneuerte seine Flotte und verkaufte die Boeing 767; so stand für CARIBIC kein Flugzeug mehr zur Verfügung.

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