Der Wunderheiler aus Mexiko

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Der Axolotl ist ein Regenerationskünstler

Die Tiere gleichen ihrem eigenen Wachsabguss. Gelblich gefärbt, mit rosa, in Büscheln vom Kopf abstehenden Kiemen wirkt der Axolotl eigenartig unfertig – so, als hätte eine riesige Kaulquappe vergessen, sich zum Frosch zu entwickeln. Kaum zu glauben, dass die aus Mexiko stammende Salamanderart bereits seit fast 200 Jahren ein attraktives Objekt biologischer Forschung ist. Doch die Verwandten von Molchen und Fröschen haben Fähigkeiten, für die sich Biologen interessieren, seitdem Alexander von Humboldt im 19. Jahrhundert die ersten Exemplare nach Europa mitbrachte.

„Salamander sind in Sachen Regeneration die Champions unter den Wirbeltieren“, sagt Elly Tanaka vom Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden. Selbst ein ausgewachsener, fußlanger Axolotl ist noch in der Lage, ein abgeschnittenes Bein, den kompletten Schwanz, ein Stück Kiefer, ein verlorenes Auge oder sogar Teile des Herzens innerhalb weniger Wochen nachwachsen zu lassen.

Das Interesse an dieser verblüffenden Regenerationsfähigkeit der Amphibien wird durch aktuelle Entwicklungen noch verstärkt. Denn auch Menschen besitzen nach neueren Forschungsergebnisse in vielen Organen von der Leber bis zum Gehirn außergewöhnliche Zellen, die möglicherweise zur Regeneration fähig sind. Welches Potenzial diese so genannten Stammzellen wirklich haben, muss sich freilich erst noch zeigen. Ein Blick in die Unfallstationen der Kliniken zeigt, dass die menschlichen Reparaturfähigkeiten im Vergleich zum Axolotl normalerweise ausgesprochen begrenzt sind. Die Frage ist deshalb: Wenn die Tiere das können, warum können Menschen das nicht?

Deshalb verfolgen auch eine Reihe von Forschern in den Kliniken, die sich für menschliche Stammzellen interessieren, aufmerksam die Antwort, die Tanakas Dresdner Gruppe zusammen mit einer kleinen Gemeinde aus weltweit einem Dutzend Labors an den Salamander-Verwandten zu geben versucht. Denn auch wenn das Axolotl sich offenbar seit 350 Millionen Jahren nicht groß verändert hat, spricht einiges dafür, dass gewisse Grundprinzipien der Reparatur so alte Erfindungen der Natur sind, dass sie auch im Körper eines Menschen immer noch ganz ähnlich ablaufen – oder besser: ablaufen könnten, wenn nicht Menschen und andere Säugetiere offenbar irgendwann die Fähigkeit zur Regeneration weitgehend aufgegeben hätten. Derzeit wollen Stammzellforscher herausfinden, ob Säugetiere dieses Potenzial endgültig verloren haben, oder ob es lediglich unterdrückt ist – und vielleicht wieder geweckt werden könnte.

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