Goldener Reis und andere Gentechnik-Produkte

Gentechnisch verändertes Saatgut, Futter- und Nahrungsmittel setzen sich weltweit immer mehr durch. Im Jahr 2004 betrug die gesamte Anbaufläche für transgene Nutzpflanzen 81 Millionen Hektar. Lediglich vier Pflanzen – Soja, Mais, Raps und Baumwolle – bildeten hierbei die Speerspitze der schleichenden Revolution. Vorreiter sind, wie so oft, die USA: Hier wurden vergangenes Jahr auf der Hälfte der Maisfelder und 91 Prozent der Soja-Äcker gentechnisch modifizierte Sorten angebaut. Auch Entwicklungs- und Schwellenländer setzten vermehrt auf die Laborneuschöpfungen. So hält sich Argentiniens Wirtschaft derzeit mit dem Anbau von "Gen-Soja" über Wasser. Brasilien, dessen Soja-Anbaufläche rund 26 Millionen Hektar beträgt, exportiert vor allem in die Europäische Union.

Herbizidtolerante Pflanzen führen dabei das Ranking gentechnisch modifizierter Sorten an – mit mehr als drei Viertel aller bestückten Flächen. Die Nutzpflanzen wurden dabei gegen ein breit wirksames Unkrautvernichtungsmittel fit gemacht, das vom Hersteller in Kombination mit dem neuen Saatgut verkauft wird. Auf rund 20 Prozent der Äcker gedeihen Pflanzen, die sich mit Hilfe eines Giftstoffs aus Bacillus thuringiensis ("Bt-Toxin") gegen Fraßinsekten zur Wehr setzen. Fast vernachlässigbar gering ist hingegen der Anbau von Kulturpflanzen, die ungünstigen Umweltbedingungen trotzen – wie Trockenheit, einem hohen Salz- oder Aluminiumgehalt des Bodens – oder die Qualität von Lebensmitteln aufwerten. Letzteres gilt vor allem für Reispflanzen.

Mehr als zwei Milliarden Menschen ernähren sich hauptsächlich von Reis, obwohl dieser sich kaum als Grundnahrungsmittel eignet. Denn er enthält beispielsweise zu wenig Vitamin A. Vitamin-A-Mangel ist in zahlreichen Gebieten der Erde deshalb weit verbreitet und kann unter anderem bis zur Erblindung führen. Außerdem senken bestimmte Stoffe im Reis die Fähigkeit des Körpers, Eisen aus der Nahrung aufzunehmen. Viele Menschen, die sich hauptsächlich von Reis ernähren, leiden daher an Eisenmangel. Schließlich enthält Reis nur etwa ein Zehntel der erforderlichen Menge an Aminosäuren, die für die Entwicklung im Kindesalter notwendig sind.

Mit den Methoden der Grünen Gentechnik entwickelten zwei Forscher aus Deutschland und der Schweiz deshalb den so genannten Goldenen Reis. Im Vergleich zu anderen Reissorten besitzt er Gene von Narzissen, Pilzen und Bohnen. Dadurch enthält dieser Reis relativ hohe Mengen Betacarotin (eine Vorstufe von Vitamin A) und Aminosäuren. Außerdem sind Hemmstoffe ausgeschaltet, die der Aufnahme von Eisen im menschlichen Körper entgegen wirken. Die Entwickler des Goldenen Reises - der hohe Gehalt an gelbem Beta-Carotin war Namensgeber für die neue Reissorte - gaben ihre Forschungsergebnisse an das internationale Reisforschungsinstitut IRRI weiter. Hier übertrugen Wissenschaftler die neuen Eigenschaften auf Reissorten, die vor allem im tropischen Klima gut gedeihen. Die an der Entwicklung beteiligten Konzerne verzichteten auf Lizenzgebühren, so dass der Goldene Reis jetzt an Kleinbauern preiswert verkauft werden kann.

Zur Redakteursansicht
loading content