Wie Pflanzen ihre Schädlinge austricksen

Eiablage mit Voraussicht

Eine einzige Manduca-Raupe muss bis zum Puppenstadium zwei bis drei Tabakpflanzen verzehren. Bild vergrößern
Eine einzige Manduca-Raupe muss bis zum Puppenstadium zwei bis drei Tabakpflanzen verzehren.

Allerdings können die Pflanzen nicht überwachen, wer die Duft-Informationen darüber hinaus benutzt und zu welchem Zweck. Um einen Fitnessvorteil zu haben, müssen in jedem Fall mehr Räuber angelockt werden als weitere Schädlinge. Der Tomatenschwärmer Manduca quinquemaculata,einer der bedeutendsten Schädlinge an Wildem Tabak, weiß die Duftsignale für sich zu nutzen: Bei der Suche nach einem geeigneten Eiablageplatz ziehen die adulten Schwärmer unbeschädigte Tabakpflanzen solchen vor, die durch Raupen der gleichen Art bereits geschädigt sind.

Das Meiden geschädigter Pflanzen ist für die Falter von Vorteil: Eine einzige Manduca-Raupe muss bis zum Puppenstadium zwei bis drei Tabakpflanzen verzehren. Eine Ablage auf einer Pflanze, die bereits von einer fressenden Raupe besetzt ist, wäre für das neu abgelegte Ei verheerend. Die daraus schlüpfende Larve würde nicht genug Nahrung finden, um zu einem Stadium heranzuwachsen, das den Wechsel auf eine benachbarte Pflanze erlaubt. Dieses Verhalten reduziert also die starke innerartliche Konkurrenz. Aber auch den Feinddruck auf die Nachkommenschaft. Denn die Fraßaktivität der bereits vorhandenen Raupe wirkt anziehend auf den Räuber.

Methyljasmonat und Linaloolbehandlung sowie Schädigung durch Raupenfraß verringern die Eiablagerate von Tomatenschwärmern im Vergleich zur Kontrolle. Bild vergrößern
Methyljasmonat und Linaloolbehandlung sowie Schädigung durch Raupenfraß verringern die Eiablagerate von Tomatenschwärmern im Vergleich zur Kontrolle.

Für die Tabakpflanze ist es in jedem Fall hilfreich. Das Duftsignal dient als doppelte Waffe: Es lockt den Räuber an und schreckt den Schädling von der Eiablage ab und dient damit sowohl der top-down- als auch der bottom-up-Kontrolle der Schädlingspopulation. Möglicherweise lassen sich aus diesen Erkenntnissen über die Wechselwirkungen zwischen Pflanzen, Pflanzenfressern und ihren Räubern auch neue Ansätze zur Weiterentwicklung des Pflanzenschutzes in der Landwirtschaft ableiten.

BIOMAX Ausgabe 17/Frühjahr 2005; Autorin: Christina Beck

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