Wie Pflanzen ihre Schädlinge austricksen

Kontrollierter Vielfraß

Die Raupe des Amerikanischen Tabakschwärmers Manduca sexta. Bild vergrößern
Die Raupe des Amerikanischen Tabakschwärmers Manduca sexta.

"De Nicotiniana" - "Über die Tabakpflanze" nannten die beiden deutschen Studenten Reimann und Posselt ihre lateinisch geschriebene und 1828 veröffentlichte Studie über den Wirkstoff in Tabakblättern: das 3-(1-Methyl-2-pyrrolidinyl)-pyridin, besser bekannt als Nikotin. Die Tabakpflanze, ein Nachtschattengewächs, das übrigens auch wunderbar in Europa gedeiht, hat ihren Ursprung in Amerika und wurde im 16. Jahrhundert durch Jean Nicot an den französischen Hof gebracht. Sein Name stand Pate für die offizielle botanische Bezeichnung des Tabaks, Nicotiana tabacum, aber auch für den Hauptwirkstoff Nikotin.

Nikotin ist eines der stärksten Pflanzengifte. Die Pflanze erzeugt es in ihren Wurzeln. Von dort wandert der Stoff in die Blätter. Die tödliche Dosis für den Menschen liegt schätzungweise bei 500 bis 1000 Milligramm. Beim Rauchen wird dieser Wert nicht erreicht, weil die Leber Nikotin sehr schnell wieder abbaut. Allerdings: Die Nikotinmenge einer Zigarette würde – auf einmal eingenommen – eine schwere Vergiftung zur Folge haben. In kleinen Dosen wirkt Nikotin erregend auf die Ganglien des vegetativen Nervensystems und setzt aus dem Nebennierenmark Catecholamine (u.a. Adrenalin) frei. Die Tabakpflanze wurde in Mitteleuropa zunächst als Heilpflanze verwendet, später kam sie auch als Genussmittel in Mode.

Die Pflanze setzt Nikotin als Abwehrstoff ein, um Pflanzenfressern (Herbivoren) nicht schutzlos ausgeliefert zu sein. Schließlich wurzeln Pflanzen im Boden und können vor ihren Feinden nicht davonlaufen. Giftige Stoffwechselprodukte mindern die Schmackhaftigkeit und dienen somit als Fraßschutz. Die Giftproduktion liegt bei den Nachtschattengewächsen in der Familie: Tollkirsche, Bittersüß, Bilsenkraut gehören dazu.

Ein anderes Beispiel sind die Doldenblütler. Mit einem Trank aus den Früchten des Gefleckten Schierlings (Conium maculatum) wurden im Altertum Verbrecher hingerichtet. Prominentes Opfer war der griechische Philosoph Sokrates. Bei einer Vergiftung bewirkt das in den Früchten enthaltene Coniin eine von den Füßen her aufsteigende Lähmung des Rückenmarks, welche schließlich zum Tod durch Atemlähmung führen kann. Der Vergiftete erstickt bei vollem Bewusstsein.

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