Schmelzen die Gletscher und die Polkappen?

Das Kalben von Eisbergen in der Antarktis kann zu Tafeleisbergen von über 1000 Quadratkilometern führen. Bild vergrößern
Das Kalben von Eisbergen in der Antarktis kann zu Tafeleisbergen von über 1000 Quadratkilometern führen.

Es gibt viele Gletscher in den Alpen und vielen anderen Gegenden der Welt, die in den letzten Jahrzehnten deutlich schrumpfen. Aber es gibt auch Gebirgsgletscher, die in den letzten Jahren gewachsen sind. Da der Großteil der Landeismassen in der Antarktis (29x106 Kubikkilometer) und auf Grönland (2.95x106 Kubikkilometer) lagert und nur ein geringer Teil auf den Rest der Welt verteilt ist (0.18x106 Kubikkilometer), ist es ganz wesentlich, wie diese großen Eisgebiete auf eine Erwärmung reagieren.

Weder für Grönland noch für die Antarktis ist bisher ein Trend nachweisbar. Das in Teilen Grönlands an den Rändern beobachtete Schmelzen kann nicht der beobachteten globalen Erwärmung zugeschrieben werden, da es noch im Rahmen der natürlichen langzeitlichen Schwankungen der Eismasse liegt. Diese Schwankungen sind auch der Grund dafür, dass die Forscher aus kurzen Beobachtungsreihen nicht ableiten können, wie sich die Eismassen in der näheren Zukunft verhalten werden.

Die Eismassen der Antarktis und von Grönland wachsen im wesentlichen durch Schneefall und sie nehmen vor allem durch Kalben von Eisbergen ab, in der Antarktis gelegentlich in dramatisch erscheinenden Portionen mit Tafeleisbergen von über 1000 Quadratkilometer Fläche. Nur ein geringer Teil eines Eisschelfs - das sind vor der Küste aufschwimmende bis zu einige hundert Meter mächtige Eisströme - schmilzt direkt am vorderen Rand oder an der Unterkante. Um zu bestimmen, ob die Eismasse der Antarktis oder von Grönland zu- oder abnimmt, muss man die Masse des Niederschlages (Akkumulation), der Eisberge und des Schmelzwassers kennen.

Solche Messungen lassen sich im Prinzip durchführen, und sie sind auch schon gemacht worden, aber oft sind nur grobe Abschätzungen möglich (z.B. für den Niederschlag in Form von Schnee und Reif in der Antarktis). Will man die Nettobilanz aus den einzelnen Beiträgen bestimmen, muss man auch die natürliche Schwankung der Zu- und Abflüsse berücksichtigen. Für eine Schneeflocke, die im Inneren der Antarktis niederfällt, dauert es typischerweise 10.000 bis 100.000 Jahre bis sie wieder im Ozean, z.B. in einem Eisberg ist. Und daraus folgt, dass auch die natürlichen Schwankungen auf dieser Zeitskala ablaufen. Wegen fehlender Messgenauigkeit ist es daher noch immer nicht möglich, die natürliche Schwankung der Eismassen in der Antarktis und von Grönland so exakt zu bestimmen, dass man davon auch noch den menschlichen Einfluss trennen könnte.

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