Thematischer Hintergrund

Die Klimaanomalien El Niño und La Niña

Alle zwei bis sieben Jahre, wenn kurz vor Weihnachten vor der Küste Perus die Wassertemperaturen um einige Grad ansteigen, ist es soweit: Der nächste El Niño kündigt sich an. Hat sich einige Zeit später erst einmal die gesamte oberste Schicht des tropischen Pazifiks erwärmt, kommen die Passatwinde zum Erliegen und die normalen Wetterverhältnisse werden auf den Kopf gestellt: Dürrekatastrophen in den sonst regenreichen Gebieten Südostasiens oder sintflutartige Niederschläge, Überschwemmungen und Erdrutsche im normalerweise staubtrockenen Peru sind dann „an der Tagesordnung“.

Doch El Niño beeinflusst nicht nur das Klima im Pazifikraum, auch in Nordamerika oder Europa bekommen die Menschen die Folgen zu spüren. Mehr Stürme an der Westküste Nordamerikas und weniger Regen als sonst in Skandinavien oder England - all diese Wetterkapriolen sind auf das unliebsame „Weihnachtsgeschenk“ zurückzuführen.

Obwohl die Ursachen erst Mitte der 1980er Jahre entdeckt wurden, haben die Klimaforscher bei der Vorhersage von El Niño schon erhebliche Fortschritte gemacht. Entlang des Äquators überwacht heute ein riesiges Messnetz Wasser- und Lufttemperaturen, Meeresströmungen oder Windbewegungen. Mit den ermittelten Daten werden Computersimulationen und Klimamodelle erstellt, die El Niño-Ereignisse schon Monate vorher relativ sicher prognostizieren können.

Doch damit ist die Gefahr durch El Niño noch längst nicht gebannt. Wissenschaftler haben mittlerweile herausgefunden, dass die Klimaanomalie durch den anthropogenen Treibhauseffekt verstärkt wird. Sie fürchten sogar, dass El Niño-ähnliche Zustände in Zukunft eher die Norm als die Ausnahme werden könnten.

Es ist daher wichtig, in der Schule objektiv und ausführlich über dieses Phänomen zu informieren. Auf der Basis des erarbeiteten Wissens können die Schüler kompetent die öffentliche Diskussion über das Phänomen verfolgen und bewerten. Sie erhalten aber auch einen vertieften Einblick in die Komplexität des Klimasystems der Erde und erkennen, dass zwischen den einzelnen Faktoren eine Vielzahl von Wechselwirkungen bestehen.

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