Forschen im Schwemmland des Amazonas

Wenn der Wald zum Ozean wird

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Während der Regenzeit werden in Amazonien regelmäßig große Gebiete überflutet.

Anfang Juli 1997 verursacht das Tiefdruckgebiet „Zolska“ in den tschechischen und polnischen Gebirgsregionen sintflutartige Niederschläge, in deren Folge es zu weiträumigen, verheerenden Überschwemmungen in Tschechien und Polen kommt: Bis zu 595 Liter Regen pro Quadratmeter fallen über dem Altvatergebirge, ein Drittel Tschechiens steht unter Wasser. 65 Menschen sterben, allein in Polen werden Zehntausende obdachlos.

Die Hochwasserwelle erfasst auch die deutschen Odergebiete. Die Menschen müssen evakuiert, das Vieh in Sicherheit gebracht werden. Mit 6,57 Meter erreicht der Pegel am 27. Juli in Frankfurt/Oder Rekordhöhe. Mehrere Tausend Bundeswehrsoldaten, Katastrophenhelfer und Feuerwehrmänner sind im Einsatz. Die Hochwasserschäden belaufen sich auf eine halbe Milliarde Euro. Fünf Jahre später, im Sommer 2002 werden die Menschen erneut Opfer einer Flutkatastrophe. Entlang der Elbe und ihrer Nebenflüsse verlieren Hunderttausende ihr Zuhause und ihren Besitz. Verheerende Schadensbilanz dieser "Jahrhundertflut": rund 9,1 Milliarden Euro.

Tatsächlich sind Hochwasser wiederkehrende Naturereignisse. Dass sie bei uns derart katastrophale Auswirkungen haben, ist das Ergebnis von raum- und städtebaulichen Fehlplanungen: Immer mehr natürliche Überschwemmungsgebiete wie beispielsweise Auwälder verschwinden, um Platz für Äcker, Industrieflächen und Siedlungen zu schaffen. Damit geht wichtiges Wasserspeichervermögen vor Ort verloren. Statt dessen schwellen die Flüsse an. Für die Schifffahrt begradigt, werden sie zur Autobahn für die Wassermassen.

Ganz anders in Amazonien: Riesige, zum Teil noch weitgehend intakte Überschwemmungsgebiete prägen die Landschaft und das Leben von Menschen, Tieren und Pflanzen. Während der Regenzeit von Dezember bis Mai fallen hier pro Jahr 2000 Millimeter Niederschlag und mehr (zum Vergleich: in Deutschland sind es 500 bis 800 Millimeter pro Jahr). Die Flüsse und Bäche können dann das Wasser in der flachen Landschaft nicht mehr fassen, und große Gebiete werden überflutet.

Der Hauptlauf des Amazonas – über eine Strecke von gut 2000 Kilometer durchschnittlich fünf Kilometer breit – schwillt bei Hochwasser auf bis zu 120 Kilometer Breite. 300 000 Quadratkilometer Land werden vom mächtigsten Fluss der Erde und seinen zahlreichen Zuflüssen bis zu einer Höhe von 15 Metern überschwemmt. Insgesamt stehen während der Regenzeit ein Fünftel des Amazonasgebiets – etwa 1,4 Millionen Quadratkilometer Regenwald und Savanne – zeitweilig unter Wasser; das entspricht viermal der Fläche Deutschlands.

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