El Niño und La Niña

Klima bringt Wirtschaft ins Wanken

Etwa ein Jahr nach El Niño-Ereignissen steigt der Kokosölpreis. Verantwortlich dafür ist die extreme Dürre in Südostasien, die zu zahlreichen Missernten führt. Bild vergrößern
Etwa ein Jahr nach El Niño-Ereignissen steigt der Kokosölpreis. Verantwortlich dafür ist die extreme Dürre in Südostasien, die zu zahlreichen Missernten führt.

Grundsätzlich handelt es sich bei El Niño um ein uraltes, natürliches Phänomen; das belegen unter anderem Untersuchungen von Eisbohrkernen. Schriftlich überliefert wurden El Niño typische Ereignisse schon seit der Entdeckung Amerikas vor über einem halben Jahrtausend. Mittlerweile beobachten Klimaforscher, dass die gemessenen Schwankungen der Wassertemperaturen im Pazifik innerhalb der letzten 100 Jahre stetig zugenommen haben. Die Frage, die die Forscher vom Max-Planck-Institut für Meteorologie daher besonders interessiert, lautet: Inwieweit beeinflusst der weltweit beobachtete anthropogene Treibhauseffekt die Intensität oder Häufigkeit von El Niño-Phasen?

Um einen möglichen Zusammenhang zwischen El Niño und dem anthropogenen Treibhauseffekt nachweisen zu können, simulierten die Hamburger Forscher den Treibhauseffekt mit dem Klimamodell, mit dem sie bereits den El Niño Grande korrekt vorhergesagt hatten. Die gewählte Zeitspanne reichte von 1860 bis 2100. Bis 1990 konnten sie die tatsächlich gemessenen Treibhausgaskonzentrationen einsetzen, für die Zeitspanne danach wählten sie die von einem internationalen Expertengremium vorhergesagten Werte.

Das Ergebnis der Berechnungen: Der Treibhauseffekt verursacht ähnliche Temperaturverschiebungen im Pazifik wie El Niño, nämlich eine Temperaturerhöhung im Ostpazifik und eine Abkühlung im Westpazifik. Addiert man die beiden Effekte, erkennt man sehr schnell, dass El Niño durch den anthropogenen Treibhauseffekt verstärkt, La Niña-Ereignisse dagegen abgeschwächt werden. „Bei weiterhin ungebremstem Anstieg der Kohlendioxidkonzentrationen in der Atmosphäre werden El Niño-ähnliche Zustände wohl eher die Norm als die Ausnahme werden“, befürchtet Mojib Latif.

Die Fische vor der Küste Südamerikas werden dann noch öfter als bisher in kühlere, nahrungsreichere Regionen ausweichen und die peruanischen Fischer werden es noch schwerer haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Aber nicht nur die südamerikanische Fischindustrie wird verstärkt unter einer Häufung der El Niño-Ereignisse leiden. Bereits heute spüren auch viele andere Wirtschaftszweige die negativen Folgen dieser Klimaanomalie. So war beispielsweise der Kokosölpreis in den letzten Jahren abhängig von El Niño. Und selbst in Ländern, wo die Menschen nicht direkt unter extremer Dürre oder massiven Überschwemmungen zu leiden haben, beeinträchtigt El Niño die Lebensbedingungen und die Gesundheit: In Kolumbien sorgt das abnormal warme Klima dafür, dass sich viele Mückenarten, darunter auch die Überträger der Malaria, stärker als normal vermehren. Folglich steigt die Zahl der Malariakranken.

All dies kann auch die exakteste El Niño-Vorhersage nicht verhindern. Aber es gibt erste Versuche, El Niño-Warnungen in konkrete Vorsorgemaßnahmen umzusetzen: In El Niño-Jahren gibt beispielsweise die peruanische Regierung Empfehlungen, welches Saatgut die Landwirte bevorzugt einsetzen sollen. Dabei handelt es sich um Pflanzensorten, die trotz der zu erwartenden Regenfälle noch relativ gute Ernten versprechen.

El Niño verursacht eine Häufung von Malariananfällen. Vivax und Falciparum sind die beiden wichtigsten Erreger dieser Erkrankung. Bild vergrößern
El Niño verursacht eine Häufung von Malariananfällen. Vivax und Falciparum sind die beiden wichtigsten Erreger dieser Erkrankung.

GEOMAX Ausgabe 4, Sommer 2002; Autorin: Ute Hänsler

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