Spiel mit dem Feuer

Heiße Keimhilfe

Die Vegetation typischer „Feuerlandschaften“ hat sich längst an regelmäßige Brände an­gepasst – und profitiert sogar davon. In den südafrikanischen Fynbos beispielsweise, einer sehr artenreichen Pflanzengesellschaft mit mediterranem Charakter, brennt es alle 30 bis 50 Jahre. Die Feuerintervalle werden gegebenenfalls sogar mit Hilfe kontrollierter Brände aufrecht erhalten, da viele Pflanzen das Feuer zur Regeneration brauchen. So setzen ver­schiedene Samenkapseln ihren wertvollen Inhalt erst nach einem Feuer frei; andere Sa­men warten „schlafend“ im Boden bis die durch das Feuer erhöhten Bodentemperaturen sie zum Keimen bringen. Gerade durch den regelmäßigen Einfluss von Feuer existiert dort also eine große Artenvielfalt.

Selbst in den intensiv bewirtschafteten Wäldern Nordameri­kas wird jährlich auf zwei Millionen Hektar Feuer gelegt; in vielen Nationalparks werden durch Blitzschlag ausgelöste Brände nicht gelöscht. Diese regelmäßig auftretenden Bo­denfeuer haben eine stabilisierende und regulative Funktion: Je öfter sie ungehindert bren­nen können, desto weniger abgestorbene pflanzliche Biomasse sammelt sich zwischen­durch an und desto geringer ist wiederum die Intensität der Brände. Außerdem schafft die Natur damit Platz für junge Bäume und hält die Zahl der Schädlinge in Grenzen. Manche Baumarten, wie verschiedene nordamerikanische oder australische Kiefern- und Eukalyptus-Arten, sind regelrecht abhängig vom Feuer. Sie können, wie bei den Sträuchern der südafrikanischen Fynbos, ihre in Zapfen oder Kapseln eingeschlossenen Samen erst freisetzen, wenn extreme Hitze die Samenbehälter gesprengt hat.

Vergleichbares gilt übrigens auch für Mitteleuropa. Die Artenvielfalt kann auf intensiv bewirtschafteten und regelmäßig geflämmten Brachen in Deutschland wesentlich größer sein als auf solchen, die sich selbst überlassen bleiben. Die Feuerökologen des Max-Planck-Instituts für Chemie plädieren deshalb dafür, auch in Deutschland verschiedene Formen der Brandwirtschaft wieder zuzulassen, die bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts praktiziert, dann aber verboten wurden.

Derzeit untersuchen Johann Georg Goldammer und seine Mitarbeiter, wie sich das kontrollierte Brennen von Bracheflächen in den Weinbaugebieten des Kaiserstuhls auf die Vegetation und die Landschaft auswirkt. Übrigens: Bezüglich ihres Einflusses auf das Klima schneiden mechanische Pflegemaßnahmen wie Mulchen oder Mähen mit Maschinen in der Landwirtschaft unter Umständen schlechter ab als die Brandwirtschaft. Schließlich verschlingen sie in der Regel fossile Brennstoffe und verstärken so den Treibhauseffekt.

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