Spiel mit dem Feuer

Feuersturm in der Taiga

Ein von Wissenschaftlern gelegtes Großfeuer auf der Waldinsel Bor (Sibirien). Bild vergrößern
Ein von Wissenschaftlern gelegtes Großfeuer auf der Waldinsel Bor (Sibirien).

Aber nicht nur auf der südlichen Erdhalbkugel brennen regelmäßig große Flächen. Fast ein Drittel des weltweiten Waldbestandes – stolze 1,2 Milliarden Hektar – befinden sich in Russland, Nordamerika und Skandinavien. Und auch hier gehen jedes Jahr riesige Areale in Flammen auf. In Kanada und Alaska sind es jährlich 3 bis 7 Millionen Hektar Wald. Die meisten Brände entstehen durch Blitzschlag und werden nicht bekämpft, weil sie fern ab von besiedelten Gebieten liegen. Weit weniger Informationen existierten bis vor kurzem über Waldbrände in der russischen Taiga.

In Sibirien startete Goldammer deshalb 1993 das Forschungsprogramm FIRESCAN (Fire Research Campaign Asia-North). Die Wis­senschaftler entzündeten eine knapp 50 Hektar große Wald-„Insel“ inmitten eines Sumpf­gebiets. 30 Forscher aus acht verschiedenen Ländern studierten die Aus­wirkungen des Brandes auf die Vegetation und erfassten die Emissionen mit Bodenmess­stationen sowie von einem Hubschrauber aus. Die Ergebnisse: Ein großer Teil der „feuer­harten“ Bäume überlebte die Brände. Doch einige Monate danach setzte eine Massenver­mehrung von Borkenkäfern und anderen holzzerstörenden Insekten ein, die diese Bäume zum Absterben brachten. Die Schwelbrände der Humusschicht setzten ungewöhnlich viel Methylbromid frei, das wesentlich am Abbau der Ozonschicht in der Stratosphäre beteiligt ist.

Bisher waren die Forscher davon ausgegangen worden, dass dieses Gas nur aus den Ozeanen und bei der Zersetzung von Pestiziden frei wird. Ihre Berechnungen zeigten je­doch, dass bei Waldbränden jährlich bis zu 50.000 Tonnen Methylbromid entstehen, was etwa der Menge entspricht, die aus Ozeanen und Pestiziden stammt. Schließlich entdeck­ten die Forscher, dass bis zu 15 Prozent des während des Feuers freigesetzten Kohlen­stoffs in Holzkohle, so genannten „schwarzen Kohlenstoff“, verwandelt wird und nicht als Kohlendioxid in die Atmosphäre entweicht. Langfristig kann durch Waldbrände daher der Atmo­sphäre auch Kohlendioxid entzogen werden, vorausgesetzt es wächst neuer Wald nach.

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