Spiel mit dem Feuer

Warum Waldbrände die Wissenschaft anheizen

Ein von Wissenschaftlern gelegtes Großfeuer auf der Waldinsel Bor (Sibirien). Bild vergrößern
Ein von Wissenschaftlern gelegtes Großfeuer auf der Waldinsel Bor (Sibirien).

Zwischen September 1997 und Mai 1998 stand halb Südostasien in Flammen — so jeden­falls berichteten die Zeitungen: „Verheerende Brände — Nicht die Natur, der Mensch zer­stört den Urwald” — „Die Brände verstärken den Treibhauseffekt” oder „Smog immer dich­ter. Evakuierung geplant” lauteten die Schlagzeilen. Tatsächlich brannten allein in Indone­sien etwa 10 Millionen Hektar Wald unkontrolliert oder wurden vorsätzlich abgebrannt. Das entspricht einer Fläche, die so groß ist wie die gesamte Waldfläche Deutschlands. Mehr als 40 Millionen Menschen in Indonesien, Malaysia und Singapur litten zum Teil wochen­lang unter dem beißenden Qualm. Rund 500 Menschen starben, weil wegen schlechter Sicht Flugzeuge abstürzten und Schiffe strandeten.

Doch was damals vielen als Umwelt­katastrophe ohnegleichen erschien, war gar nicht so ungewöhnlich. Jedes Jahr brennen in den Tropen und Subtropen schätzungsweise 30 bis 50 Millionen Hektar Wald. 1997 je­doch hatte El Niño das Land so stark ausgetrocknet, dass die Flammen besonders leich­tes Spiel hatten. Zudem blieb der Monsun aus — die Rauchschwaden wurden nicht wie sonst rasch verdünnt und fort geweht, sondern blieben wie eine Dunstglocke über Süd­ostasien hängen.

Auch die Auslöser der Brände sind jedes Jahr die selben: In vielen Ländern Südostasiens werden — zum großen Teil mit Genehmigung oder Tolerierung der Regierungen — riesige Flächen erst kahl geschlagen, dann angezündet. So entsteht Raum für Plantagen, auf denen vor allem Ölpalmen angebaut werden. Darüber hinaus werden durch Blitzschlag oder vorsätzlich gelegte Feuer die trockenen, so genannten Monsunwälder auf mehreren Millionen Hektar Fläche entzündet. Und schließlich verbrennen die Bauern in Südostasien nach der Ernte riesige Mengen Reisstroh und andere pflanzliche Abfälle auf ihren Feldern.

1997 gerieten viele dieser „normalen” Feuer außer Kontrolle. Erst der im Mai 1998 einset­zende Regen beendete die Feuersbrunst. „Die Feuer- und Rauchkrise in Südostasien hat gezeigt, dass politische Entscheidungen oder Maßnahmen der Vorbeugung und Bewälti­gung solcher Feuer- und Rauchkatastrophen seinerzeit nicht wirksam waren,” resümiert Johann Georg Goldammer, einer der weltweit führenden Feuerökologen vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. Mit seiner Arbeitsgruppe untersucht er nicht nur die Ursachen und Auswirkungen von Vegetationsbränden auf der ganzen Welt, sondern berät und unter­stützt vor allem auch Entwicklungsländer bei Fragen des Feuermanagements.

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