Wie Reisanbau das Klima killt

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Reisfelder in Indonesien Bild vergrößern
Reisfelder in Indonesien

Ob in der heißen Wüste Australiens oder im vergleichsweise kühlen Japan, in der italienischen Po-Ebene oder im Himalaya dreitausend Meter über dem Meer – Reispflanzen haben sich an viele verschiedene Lebensbedingungen angepasst und scheinen fast überall auf der Welt zu wachsen. Genauer gesagt: In 89 Ländern auf sechs der sieben Kontinente stehen Reisfelder; nur in der Eiseskälte der Antarktis sucht man tatsächlich vergeblich nach ihnen.

Die Menschen schätzen die Genügsamkeit und die Vielseitigkeit dieses Getreides seit Jahrtausenden. Zwar sind sich die Experten immer noch nicht einig, wann und wo Reis erstmals gezielt angepflanzt wurde. Aber es gibt Hinweise darauf, dass in Asien bereits vor rund 8.000 Jahren systematisch Reis angebaut wurde. Ganz sicher haben die Chinesen schon vor etwa 5.000 Jahren Reisfelder angelegt. Über Indien und Persien gelangte das Getreide in die fruchtbaren Ebenen des Euphrat und nach Ägypten. Alexander der Große brachte es im 4. Jahrhundert v. Chr. auf seinen Feldzügen ans Mittelmeer. Etwa 1000 n. Chr. kultivierten die Mauren Reis in Spanien. Im 16. Jahrhundert begannen die Italiener und Spanier Reisfelder anzulegen. Zur gleichen Zeit brachten die Europäer den Reis nach Zentral- und Südamerika; im 17. Jahrhundert begannen schließlich auch die Nordamerikaner, das Getreide zu züchten.

Heute werden weltweit ca. 600 Millionen Tonnen Reis produziert, 90 Prozent davon in Asien. Damit ist Reis für rund die Hälfte der Weltbevölkerung das wichtigste Grundnahrungsmittel. Der Anbau prägt viele Kulturen und Landstriche, etwa auf der indonesischen Insel Bali oder den Philippinen, wo riesige terrassenförmige Reisfelder die Landschaft prägen. In vielen Regionen wird Reis sogar als eine Art Heiligtum verehrt: Für die Menschen auf Bali beispielsweise verkörpert die Reispflanze die Göttin des Lebens und der Fruchtbarkeit.

Wissenschaftler schätzen, dass es weltweit etwa 120.000 verschiedene Reissorten gibt. Nur wenige davon werden allerdings gezielt angebaut. Die einjährigen Pflanzen werden je nach Sorte bis zu 1,5 Meter hoch und sehen dem Hafer recht ähnlich: An schlanken Halmen wachsen etwa 30 Zentimeter lange Rispen mit je 50 bis 150 Reiskörnern. Am genügsamsten ist der Berg- oder Trockenreis, der ohne künstliche Bewässerung auch noch in 2.000 Meter Höhe über dem Meeresspiegel angebaut werden kann. Allerdings fällt dessen Ernte nicht sonderlich üppig aus.

Spitzenerträge erzielen Bauern dagegen mit Nass- oder Wasserreis. Dessen Jungpflanzen werden in meist künstlich überflutete Felder gesetzt und stehen bis zur Ernte, also drei bis fünf Monate lang, fast ununterbrochen unter Wasser. Je nach Region, Kulturtechnik und Reissorte „kostet“ dies rund 3.000 bis 10.000 Liter Wasser pro Kilogramm Reis. Während in Europa und den USA der Reisanbau inzwischen fast vollständig mechanisiert wurde, ist er in den Hauptanbaugebieten in Asien auch heute noch mit viel Handarbeit und Plackerei verbunden: So muss ein Landarbeiter für jeden Hektar, den er mit Reis bepflanzt, eine Strecke von rund 50 Kilometer durch`s Wasser waten.

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