Plan B zur Rettung des irdischen Klimas?

Geo-Engineering

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Die Methoden zum Geo-Engineering sind umstritten.

Im Jahr 1889 ist der französische Romanautor Jules Verne wieder einmal seiner Zeit voraus. In seinem Buch „Der Schuss am Kilimandscharo“ planen seine Protagonisten, die Erdachse gerade zu rücken und damit die Jahreszeiten abzuschaffen. Das eigentliche Ziel ist jedoch eine Veränderung des Klimas: Schmilzt durch die Erd- und Klimakorrekturen das Eis der Arktis, kann man die in der Region vermuteten riesigen Kohlevorräte abbauen. Bewerkstelligt werden soll dies alles durch einen einzigen Schuss mit einer Riesenkanone. Der gewaltige Rückstoß, so haben die Berechnungen der Abenteurer ergeben, würde für die gewünschte Wirkung sorgen. Dass dadurch auch dramatische Änderungen des Meeresspiegels und verheerende Überschwemmungen auftreten könnten, nehmen sie billigend in Kauf. Trotz massiver Proteste in der Öffentlichkeit wird das Projektil abgefeuert. Aber der Plan scheitert, die Erdachse bleibt wie sie ist.

Waren technische Eingriffe in das Klima unseres Planeten zu Zeiten von Jules Verne noch reine literarische Gedankenspiele, so werden sie heute tatsächlich wissenschaftlich geplant und erprobt – bisher allerdings in kleinem Maßstab. Dass sich Politiker und Wissenschaftler überhaupt ernsthaft Gedanken zu diesem Thema machen, hat vor allem einen Grund: den fortschreitenden Klimawandel. Aktuelle Prognosen gehen davon aus, dass die global gemittelten Temperaturen bis Ende des 21. Jahrhunderts um bis zu etwa 6 Grad Celsius steigen könnten – mit dramatischen Folgen wie dem Verschwinden der Eisschilde und zunehmenden Wetterextremen.

Wenn alle Versuche des Klimaschutzes scheitern sollten, gilt Geo-Engineering als möglicher „Plan B“. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Vorschlägen, um die Erderwärmung mit technischen Mitteln zu begrenzen oder sogar aufzuhalten. Sie verfolgen dabei zwei unterschiedliche Ziele: Mit einigen Methoden soll Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre entfernt und so der Treibhauseffekt gebremst werden (Carbon Dioxide Removal, kurz CDR). Zum Einsatz kommen könnten dabei unter anderem künstliche Bäume oder eine Eisendüngung der Meere, mit der das Algenwachstum befördert wird. In beiden Fällen würden die Fotosynthese-Aktivität und damit der Verbrauch von Kohlendioxid gesteigert. Andere Verfahren greifen dagegen in die Strahlungsbilanz der Erde ein. Sie sehen vor, Teile der ankommenden Sonnenstrahlung – etwa mit gewaltigen Sonnensegeln im All – zu reflektieren und so die Sonnenwärme von der unteren Erdatmosphäre fernzuhalten (Solar Radiation Management, SRM).

Viele der vorgeschlagenen Experimente sind jedoch unter Wissenschaftlern und in der Öffentlichkeit heftig umstritten. Denn es sind noch jede Menge Fragen zum Geo-Engineering offen. Wie gut funktionieren die unterschiedlichen Methoden tatsächlich? Wann wäre Geo-Engineering einsatzbereit? Und vor allem: Welche Klimawirkungen und Umweltrisiken haben die Verfahren, wenn sie in großem Maßstab eingesetzt werden?

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