Eisbohrkern

Eisbohrkerne werden von Glaziologen und Klimatologen dazu verwendet, um das vergangene Klima auf der Erde zu rekonstruieren. Dazu ziehen sie aus den Gletschern der Erde mit einem Bohrer, der innen hohl ist, einen Bohrkern aus dem Eis und analysieren die Zusammensetzung dieser "Stange" aus gefrorenem Wasser.

Mit jedem Schneefall entstehen neue Schichten auf den Eisschilden der Erde. Während des Fallens „säubert“ der Schnee die Atmosphäre von den in ihr enthaltenen Spuren und deponiert sie auf der Oberfläche der Gletscher. So entsteht ein direktes Abbild der Bedingungen in der Atmosphäre und des Klimas zu den Zeiten des Niederschlags.

Die im Eis archivierten Informationen machen Klimatologen durch die Methoden der Bohrkernanalyse wieder zugänglich. Sie rekonstruieren die Temperaturen aus den Konzentrationen der Wasserisotope. Spurenstoffe helfen ihnen bei der Datierung, und die im Eis eingeschlossene Luft gibt Auskunft über die Zusammensetzung der Atmosphäre und beispielsweise den Gehalt an Treibhausgasen.

Die Chronisten der Klimageschichte können sich im Idealfall buchstäblich durch die Jahreswechsel hindurchzählen. In den oberen 500 Metern der grönländischen Eisdecke zum Beispiel enthält jeder Meter den Niederschlag von fünf Jahren. Die älteren Jahreslagen sind unter dem zunehmenden Druck stärker komprimiert, sodass in 1500 Metern unter der Oberfläche in jedem Meter Eis Informationen aus 20 Jahren dokumentiert sind. Verlässliche Daten über das vergangene Klima können die Geowissenschaftler mit den Eisbohrkernen so schon über die Zeit vor 50 000 Jahren bis heute gewinnen.

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