Didaktisch-methodischer Kommentar

Die ausgearbeitete Unterrichtsstunde ist eingebunden in eine mehrstündige Sequenz im Fach Geographie mit dem Titel „Erschließung und Nutzung von Großräumen – Beispiel Russland“.

Bevor das Thema „Streit um Erdöl – Landnutzungskonflikte in der russischen Republik Komi“ im Unterricht behandelt werden kann, sollten die Schüler bereits ausführliches Hintergrundwissen über die Naturausstattung des Großraums Russland sowie über wichtige Agrar- und Industriestandorte erworben haben. Auch die Ursachen und Folgen des politischen und wirtschaftlichen Wandels im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion sind nach Möglichkeit vorab gezielt anzusprechen.

Im Anschluss an den vorgelegten Unterricht könnte es dann mit einem anderen aktuellen Beispiel zur Raumerschließung in Russland weitergehen. Dabei würde sich unter anderem eine Besprechung der Baikalsee-Region mit ihren geoökologischen Problemen wie Wasser- und Luftverschmutzung oder Zerstörung von Lebensräumen anbieten.

Anspruchsvoller und motivierender Unterrichtseinstieg
Um die Schüler in altersgemäßer und zugleich motivierender Form an das Thema „Streit um Erdöl – Landnutzungskonflikte in der russischen Republik Komi“ heranzuführen, legt der Lehrer zunächst eine Folie mit einer Karte der Öl- und Gaspipeline-Infrastruktur auf dem Gebiet der früheren Sowjetunion auf. Die Schüler sollen die Karte analysieren und wesentliche Zentren der Erdöl- und Erdgasförderung sowie wichtige Pipelinetrassen identifizieren.

Anschließend wird die Aufmerksamkeit der Schüler mithilfe einer Overlay-Folie gezielt auf die Republik Komi gelenkt. Im Rahmen der Auswertung der Karte sollen die Kursteilnehmer die Bedeutung von Komi als Rohstofflieferanten erkennen und benennen.

Im nächsten Schritt wird der Kurs dann mithilfe eines konfliktträchtigen Bildes (Rentierzüchter und Ölförderanlage) für den Schwerpunkt der Unterrichtstunde sensibilisiert. Möglichst selbstständig sollen die Schüler dabei den Widerspruch zwischen Tradition und Moderne erfassen. Ihre Aufgabe ist es aber auch, bereits erste Hypothesen zu möglichen Landnutzungsproblemen in Komi zu formulieren.

Falls die Kursteilnehmer diese Transferleistung nicht alleine leisten können, sollte der Lehrer einige verbale Impulse vorbereitet haben, um die Überlegungen der Schüler wenn nötig in die gewünschte Richtung zu lenken.

Selbstständige Erarbeitung von Wissen
In der folgenden Erarbeitungsphase I stehen das Aneignen von Wissen und das Lernen in Teams im Vordergrund des Unterrichts. Die Schüler bilden dazu selbstständig drei- bis vierköpfige Kleingruppen, die die vorhandenen Materialien möglichst ohne Hilfe durch den Lehrer auswerten und die Aufgaben lösen. Als zusätzliche Informationsquelle dient das Internet.

Übergeordnete Ziele dieser Phase sind die Verbesserung der Medienkompetenz und ansatzweise die wissenschaftspropädeutische Ausbildung.

Rollenspiel mit Pro und Contra Diskussion
Um die Schüler im zweiten Teil der Doppelstunde zu einer engagierten und motivierten Auseinandersetzung mit dem Unterrichtsgegenstand anzuregen, steht nun ein Rollenspiel zu den Landnutzungskonflikten im Mittelpunkt des Unterrichts. Die eine Hälfte der Klasse vertritt dabei die Position der Rohstoffkonzerne, die andere die der Tierhalter und Umweltschützer.

Die notwendigen Wissensgrundlagen für die Diskussion werden zuvor in der Erarbeitungsphase II geschaffen. Anhand von zwei Arbeitsblättern mit teilweise unterschiedlichen Arbeitsaufgaben informieren sich die Kursteilnehmer einerseits über die Situation in der Republik Komi. Andererseits sollen sie sich Argumente beziehungsweise eine schlüssige Strategie für die Pro und Contra Debatte im Anschluss überlegen.

Ziel dieser Unterrichtsphase ist es, den Schülern mögliche Auswirkungen von Erschließungsmaßnahmen in Großräumen auf anschauliche Weise vor Augen zu führen. Sie sollen aber auch lernen, Nutzungsansprüche in bestimmten Regionen kritisch zu hinterfragen, Vor- und Nachteile der verschiedenen Positionen gegeneinander abzuwägen und im Streitgespräch Kompromisse auszuhandeln.

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