Thematischer Hintergrund

Streit um Erdöl – Landnutzungskonflikte in der russischen Republik Komi

Ob tief unter der Nordsee, in den Naturschutzgebieten Alaskas, im südamerikanischen Regenwald oder in Zukunft vielleicht sogar auf Grönland: Das schnelle Schrumpfen der Reserven an fossilen Brennstoffen führt dazu, dass Erdöl, Erdgas und Kohle heute selbst in abgelegenen und ökologisch empfindlichen Regionen gefördert werden.

Vor allem im Vielvölkerstaat Russland mit seinen riesigen Rohstoffvorräten kommt es bei der Exploration und der Ausbeutung der Vorkommen nicht nur zu verheerenden Umweltverschmutzungen, sondern auch zu heftigen Landnutzungskonflikten. Denn den Interessen der Erdöl- oder Ergaskonzerne stehen in vielen Regionen die Bedürfnisse der einheimischen Bevölkerung mit ihren althergebrachten Bewirtschaftungsstrategien gegenüber.

Ein typisches Beispiel für diesen brisanten Widerstreit zwischen Tradition und Moderne liefert die Republik Komi im Norden Russlands: Allein zwischen 2000 und 2005 ist hier die Ölförderung um rund ein Drittel auf 11,2 Millionen Tonnen pro Jahr empor geschnellt – Tendenz weiter steigend.

Das geht jedoch zu Lasten beispielsweise der Rentierzüchter, deren Weideflächen aufgrund des Ölbooms schrittweise immer mehr verkleinert werden. Zahlreiche Pipelines kreuzen zudem die Wanderrouten der Rentierherden und mindern den Wert der Weideflächen, da die Tiere diese Hindernisse nur zögerlich überqueren…

Dass Erdöl eine Quelle für Konflikte und Umweltzerstörung sein kann, ist den Schülern dank der Berichterstattung in den Medien – Beispiele Irak-Krieg oder verschiedene Tankerunglücke – gut bekannt. Ein Unterricht zu diesem Thema knüpft deshalb unmittelbar an die Lebenswelt und das Vorwissen der Schüler an und besitzt hohen Motivationscharakter.

Am Beispiel der Republik Komi lernen die Schüler jedoch noch weitere Dimensionen des Problems kennen. Denn Landnutzungskonflikte und die Bedrohung indigener Völker als Folge der wachsenden Erdöl- oder Erdgas-Förderung sind den meisten von ihnen vermutlich bisher weitgehend unbekannt. Der Unterricht ergänzt daher das Wissen der Schüler und trägt zu einer fundierteren eigenen Meinung über die Chancen und Risiken der Rohstoffförderung bei.

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