Klimaforschung

Wachsender CO2-Ausstoß treibt atmosphärische Konzentration auf neuen Rekord

Im Mai des laufenden Jahres hat die CO2-Konzentration in der Atmosphäre erstmals die Marke von 400 ppm (parts per million) überschritten

19. November 2013

Das durch menschliche Aktivitäten freigesetzte CO2 sammelt sich in der Atmosphäre, im Ozean und in Landökosystemen an. Die aktuelle Veröffentlichung des jährlich aktualisierten Kohlenstoffbudgets belegt, dass kontinuierlich gestiegene CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger die atmosphärische Konzentration zum ersten Mal auf über 400 ppm getrieben haben.

Entwicklung der CO2-Emissionen aus unterschiedlichen Quellen und deren Zuwachsraten Bild vergrößern
Entwicklung der CO2-Emissionen aus unterschiedlichen Quellen und deren Zuwachsraten

Wie aus dem ährlichen Bericht des Global Carbon Project (GCP) hervorgeht, der heute online publiziert wurde, haben die CO2-Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger und der Zementproduktion einen neuen Rekordstand von 35 Milliarden Tonnen pro Jahr erreicht. Dies entspricht einem Zuwachs von 58 Prozent gegenüber dem Stand von 1990. Gegenüber 2011 hat der jährliche Ausstoß um 2,2 Prozent zugenommen. Basierend auf Schätzungen der globalen Wirtschaftsleistung im laufenden Jahr wird ein Zuwachs von 2,1 Prozent auf 36 Milliarden Tonnen CO2 für 2013 erwartet.

In etlichen Ländern ist die Abhängigkeit von Kohle für die Energieproduktion im vergangenen Jahr gestiegen, was den Emissionsanstieg zusätzlich beschleunigt. Innerhalb der 28 Mitgliedsstaaten der EU sind die CO2-Emissionen im vergangenen Jahr (2012) zwar um 1,3 Prozent zurückgegangen, Emissionen aus der Kohleverbrennung haben allerdings um 3,0 Prozent zugelegt. "Die zusätzliche Kapazität erneuerbarer Energieträger ersetzt offenbar nicht direkt den Einsatz von Kohle", sagt Glen Peters vom CICERO-Klimaforschungsinstitut in Oslo, Norwegen.

Im Mai des laufenden Jahres hat die CO2-Konzentration in der Atmosphäre erstmals die Marke von 400 ppm (parts per million) überschritten. Noch nie wurde ein so hoher Wert verzeichnet, seit die direkten Messungen 1958 auf Mauna Loa (Hawaii) begannen. Messungen an antarktischen Eisbohrkernen, welche Schwankungen über die letzten 800.000 Jahre wiedergeben, bleiben sogar beständig unter der Marke von 300 ppm.

Dank der Daten, die von den zahlreichen Forschungsinstituten beigesteuert wurden und die alle relevanten CO2-Flüsse quantifizieren, kann die Aufnahme durch die Ozeane und die Landökosysteme bestimmt werden. Somit zeigt sich deutlich, dass der atmosphärische CO2-Anstieg von den Emissionen aus der Verbrennung fossiler Energieträger getrieben wird.

Abholzungen und die daraus resultierenden globalen CO2-Emissionen haben im letzten Jahrzehnt zwar stagniert, deren Bedeutung für das Klima darf allerdings nicht unterschätzt werden, meint Sönke Zaehle, Mitautor der Studie vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena, der diese Komponente des Kohlenstoffbudgets anhand von Modellen abschätzt. „Verlust von Wald heißt Verlust von in der Landbiosphäre gespeichertem Kohlenstoff, was zusätzlich zum atmosphärischen CO2-Anstieg beiträgt.“

Anwachsende kumulative Emissionen vergrößern das Risiko, das 2 Grad-Ziel zu verfehlen

Laut dem aktuellen IPCC-Zustandsbericht setzt das “wahrscheinliche” Einhalten des Ziels, den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad zu beschränken, voraus, dass die kumulativen CO2-Emissionen 2 900 Milliarden Tonnen nicht übersteigen. 69 Prozent davon sind seit Beginn der Industrialisierung bereits ausgestoßen worden. “Eine Trendumkehr in den Emissionen ist notwendig, um die Klimaerwärmung sowie die Versauerung der Ozeane zu beschränken,” sagt Corinne Le Quéré vom britischen Tyndall Centre for Climate Change Research in East Anglia, welche die Studie mit insgesamt 49 Autoren aus 10 verschiedenen Ländern koordiniert hat.

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