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Bakterien in der Falle

Ein Erreger, der auf den Magen schlägt


Helicobacter pylori wurde erst Anfang der achtziger Jahre als Verursacher von Magenschleimhautentzündungen, Magen-Darm-Geschwüren sowie Magenkrebs entdeckt.

LYMErix ist das jüngste und vielleicht auch letzte Beispiel für einen Impfstoff mit herkömmlicher Wirkungsweise. Er stimuliert vor allem die Antikörper-produzierenden B-Lymphocyten. B-Lymphocyten stellen aber nur einen Arm des Immunsystems dar, und ihr Aktionsradius reicht nicht zur Bekämpfung aller Erreger aus. Der andere Arm des Immunsystems sind die T-Lymphocyten, oder auch einfach nur T-Zellen. Bei dem Krankheitserreger Helicobacter pylori sind die Wissenschaftler noch auf der Suche nach einer wirkungsvollen Impfstrategie. Sie wissen aber bereits, dass so genannte T-Helfer-Zellen eine entscheidende Rolle im Kampf gegen diesen Erreger spielen. T-Helfer-Zellen setzen Signalstoffe frei, so genannte Cytokine, die anschließend die passenden B-Zellen aktivieren. Die humorale Antwort (also die Antikörperproduktion) auf T-Zell-abhängige Antigene ist generell stärker als auf T-Zell-unabhängige Antigene.

Anfang der achtziger Jahre stieß der australische Pathologe J. Robin Warren bei Magenbiopsien von Patienten auf spiralig-gewundene Bakterien und vermutete einen Zusammenhang mit Magenschleimhautentzündungen. Bis dahin galten chronischer Ärger, Stress und Kummer als entscheidende Ursachen einer Magenschleimhautentzündung oder eines Magengeschwürs. Unter dauerndem nervösen Druck, so die Meinung der Ärzte, würde der Magen vermehrt Magensäure produzieren, die dann die Magenschleimhaut angreift. In einem freiwilligen Selbstversuch konnte Warrens Mitarbeiter Barry J. Marshall zeigen, dass Helicobacter pylori tatsächlich eine solche Gastritis hervorruft: Er schluckte einfach das Bakterium – und bekam anschließend eine ziemlich schmerzhafte Magenschleimhautentzündung, die allerdings von alleine abklang.

Das ist nicht bei jeder Helicobacter pylori-Infektion der Fall. Dem Körper gelingt es nur selten aus eigener Kraft, den Eindringling gänzlich zu vernichten. Offenbar hat sich im Laufe der Evolution ein Gleichgewicht der Kräfte eingestellt. Und so bleibt das Bakterium über Jahre hinweg unentdeckt, weil der Betroffene keine Beschwerden hat. Oft tritt erst nach Jahren oder Jahrzehnten eine chronische, „spürbare” Gastritis auf. In 5-10% aller Fälle bildet das permanent entzündete Gewebe schließlich Magen-Darm-Geschwüre. Darüber hinaus fördert das Bakterium aber auch Magenkrebs, den weltweit zweithäufigsten bösartigen Tumor. Vor dem Hintergrund der Bedeutung dieses Bakteriums ist es nicht verwunderlich, dass seine beiden Entdecker, Warren und Marshall, 2005 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurden. 

Allein in Deutschland erkranken jährlich etwa 20.000 Menschen an Magenkrebs. Allerdings spielen für diesen Tumor auch übermäßiger Genuss von Alkohol und Nikotin sowie eine bestimmte genetische Veranlagung als weitere Risikofaktoren eine Rolle. Das Magenkrebsrisiko verdoppelt sich bei Infektion mit besonders aggressiven Helicobacter pylori-Stämmen, die über bestimmte Virulenzfaktoren verfügen. Als cagI-Region bezeichnen die Wissenschaftler jenen Bereich im Erbgut des Bakteriums, welcher die Bauanleitung für die Herstellung von mehr als 30 verschiedenen Proteinen liefert, die virulent, also krankheitsauslösend sind. Sie sind u.a. am Aufbau eines molekularen Transportsystems beteiligt, über das Erreger-Proteine in die Wirtszellen ausgeschleust werden. Dort aktivieren sie intrazelluläre Signalwege, die zu Veränderungen in den Zellen der Magenschleimhaut führen und Helicobacter pylori z.B. bessere Kolonisationsbedingungen verschaffen.

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