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Bakterien in der Falle

Wie Forscher die Abwehr auf Angriff schalten


Eine Fresszelle - Makrophage - des körpereigenen Abwehrsystems hat einen Tuberkulose-Erreger in sich aufgenommen.

Auch dieses Jahr retten Impfstoffe weltweit mehr als 10 Millionen Menschenleben – und das zu geringeren Kosten als irgendeine andere medizinische Maßnahme. Die Erfolge von Impfungen in den Ländern, in denen Impfprogramme konsequent durchgeführt werden, sind beeindruckend. Dennoch ist dies nur die halbe Wahrheit – es ist eine Erfolgsgeschichte der Industrieländer, die dazu verleitet, das weltweite Problem der Infektionskrankheiten falsch einzuschätzen. Statistiken der Weltgesundheitsorganisation (WHO) der letzten Jahre zeigen: Von den weltweit 53,9 Millionen Todesfällen gehen 13,3 Millionen – also 25 % – auf das Konto von Infektionskrankheiten.

Kinder sind am stärksten durch Infektionskrankheiten gefährdet. Die WHO schätzt, dass in den Entwicklungsländern jährlich mehr als 11 Millionen Kinder bis zum 5. Lebensjahr sterben, davon etwa 9 Millionen an Infektionskrankheiten. Ein Viertel der infektionsbedingten Todesfälle ließe sich durch Impfungen vermeiden. Aber auch in den Industrieländern zeichnet sich eine bedrohliche Entwicklung ab. Denn anders als Gifte oder Schadstoffe besitzen Infektionserreger die Fähigkeit, sich den Abwehrmechanismen des menschlichen Organismus anzupassen bzw. Strategien zu entwickeln, mit denen sie diese Abwehrmechanismen unterlaufen können. Und sie vermögen neue Strukturen, neue aggressivere Formen zu entwickeln, die neue Krankheitsbilder beim Menschen auslösen können. Diese Wandelbarkeit der Infektionserreger ist die Ursache dafür, dass trotz der enormen Fortschritte der Medizin in den letzten Jahrzehnten ein dauerhafter Erfolg bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten ausgeblieben ist. Allein in den letzten 30 Jahren des 20. Jahrhunderts wurden insgesamt 21 neue Erreger entdeckt und charakterisiert - allesamt Verursacher von Infektionskrankheiten beim Menschen.

Borrelia burgdorferi zählt zu diesen neu entdeckten Erregern. Dabei waren die Krankheitssymptome in Europa bereits um die Jahrhundertwende beschrieben worden. Dem Krankheitserreger selber – einem spiralig gewundenen Bakterium – kamen amerikanische Wissenschaftler jedoch erst 1982 auf die Spur. Seitdem ist die so genannte Zecken-Borreliose als ein eigenständiges Krankheitsbild erkannt. In Europa ist es die häufigste von Zecken übertragene Erkrankung. Etwa 5-35 % der Zecken sind hier mit Borrelien befallen. Nach bisherigen Erkenntnissen muss nach einem Zeckenstich bei 3-6% der Betroffenen mit einer Infektion und bei 0,3-1,4% mit einer schwerwiegenden Erkrankung gerechnet werden. Bezogen auf Stiche von Zecken, die mit Borrelia burgdorferi durchseucht sind, beträgt das Infektionsrisiko sogar 20-30%. In Deutschland erkranken schätzungsweise 40.000 bis 80.000 Menschen jedes Jahr neu an Borreliose.

Die Borrelien gelangen mit dem Speichel der Zecke in das Blut des Opfers. Um eine infektiöse Dosis an Erregern zu übertragen, muss der Blutsauger 36 bis 48 Stunden lang in der Haut stecken bleiben. Neben den häufig erscheinenden Hautreaktionen können Störungen wie Schüttelfrost, Fieber, Gelenk- und Muskelschmerzen auftreten. Bei ungefähr 20% der unbehandelten Patienten kommt es zu Komplikationen wie wochen- bis monatelange Lähmungen der Gesichtsnerven, Hirnhautentzündungen, Reizungen der Nervenwurzeln am Rückenmark oder Herzrhythmusstörungen. Da sich die Borrelien über den Blutkreislauf im ganzen Organismus ausbreiten, können sie praktisch jedes Organ und jedes Gewebe in Mitleidenschaft ziehen. Man spricht daher auch von einer multisystemischen Krankheit. Gelingt es dem Erreger, sich dauerhaft einzunisten, so entwickeln sich mitunter chronische Leiden.

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