Fachwissen Biologie Evolution Gene


weiterführende Links
Die Suche nach den "menschlichen" Genen

Was macht Schimpansen sprachlos?

Vergleicht man das FOXP2-Protein zwischen Mensch und Maus, so stellt man fest, dass es sich in den insgesamt 140 Millionen Jahren Evolution sehr wenig verändert hat. Lediglich drei der 715 Aminosäuren sind unterschiedlich, womit FOXP2 zu den am meisten konservierten Proteinen zwischen Mensch und Nagetier zählt. Durch Analyse des Gens bei Schimpansen fanden die Leipziger Molekularanthropologen bereits 2002 heraus, dass zwei der drei Änderungen auf der Linie zum Menschen, d.h. innerhalb der letzten fünf bis sechs Millionen Jahre stattgefunden haben (Schimpanse und Maus unterscheiden sich nur in einer Aminosäure).

Mittlerweile haben die Forscher das FOXP2-Gen auch beim Neandertaler sequenzieren und dabei zeigen können, dass das Protein ebenfalls die beiden Änderungen aufgewiesen haben muss, die sich beim modernen Menschen finden. Etwaige Auswirkungen dieser Änderungen auf die menschliche Sprachfähigkeit wären also sowohl beim modernen Menschen als auch beim Neandertaler eingetreten.

Doch welche Auswirkungen genau könnten diese Aminosäureänderungen gehabt haben? Dies herauszufinden, ist die nächste große Herausforderung. Zu diesem Zweck untersuchen die Leipziger Forscher die Funktion des FOXP2-Gens in der Maus. Auch wenn Mäuse nicht sprechen können, so lässt sich doch zumindest ergründen, welche Aufgaben FOXP2 beispielsweise bei der Gehirnentwicklung übernimmt und welche Auswirkungen die zwei Aminosäureänderungen diesbezüglich haben. Auf diese Weise hoffen die Forscher, Hinweise auf die Rolle von FOXP2 bei der Evolution von Sprache zu erhalten.

Klar ist allerdings jetzt schon, dass FOXP2 sicherlich nur ein Baustein in der Sprachevolution gewesen ist. Denn eine so komplexe Eigenschaft wie Sprachfähigkeit kann nicht durch eine einzige genetische Änderung entstehen. „Man könnte sich vorstellen, dass ein solcher Baustein vielleicht mehr Nervenzellen in für die Sprachfähigkeit wichtigen neuronalen Schaltkreisen verknüpft und auf diese Weise dazu beiträgt, die schwierigen motorischen Abläufe besser zu erlernen, die für die Sprachfähigkeit essenziell sind”, erklärt Pääbos Mitarbeiter Wolfgang Enard. Und so hoffen die Forscher, dass die Untersuchungen an FOXP2 einen ersten Blick in das komplexe Netzwerk erlauben, das sich in den letzten 5 bis 6 Millionen Jahren so geändert hat, dass wir heute darüber sprechen können.

1 2 3 4 5