Fachwissen Biologie Evolution Gene


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Die Suche nach den "menschlichen" Genen

40 Millionen Unterschiede

Im September 2005 veröffentlichte ein internationales Konsortium aus Wissenschaftlern die vorläufige Sequenzierung und Analyse des Schimpansengenoms – und bestätigte damit die bisherigen Annahmen. Tatsächlich ist die molekulare Ähnlichkeit zwischen Mensch und Schimpanse erstaunlich: Nur 1,23 Prozent der Nukleotidsequenz des Schimpansengenoms weichen von derjenigen des Menschen ab. Bei über drei Milliarden Basen pro Genom macht das indes noch immer über 35 Millionen Basenaustausche. Im Durchschnitt variieren die Proteine von Mensch und Schimpanse um zwei Aminosäuren, 29 Prozent aller Proteine sind identisch.

Allerdings haben so genannte Insertionen (Einfügen genetischer Bruchstücke an anderer Stelle) und Deletionen (Verlust ganzer genetischer Abschnitte) die „genomische Landschaft“ seit der Trennung der beiden Linien Mensch und Schimpanse vor 6 Millionen Jahren dramatischer verändert als erwartet: Insgesamt zählten die Forscher 5 Millionen solcher Insertionen und Deletionen. Irgendwo in diesem Katalog von 40 Millionen evolutionären Ereignissen liegen die Änderungen, die uns zu Menschen machen. Die Frage ist nur: wo? Zu den menschlichen Proteinen, die sich besonders schnell im Zuge der Evolution entwickelt haben, gehören eine ganze Reihe von Transkriptionsfaktoren, also jene Proteine, die die Genexpression regulieren. Sollten King und Wilson mit ihrer Veröffentlichung vor 30 Jahren richtig gelegen haben?

FOXP2 ist ein solcher Transkriptionsfaktor. Das Gen trägt die Bauanleitung für ein Protein, dass die Aktivität anderer Gene steuert und – so die Überzeugung von Wissenschaftlern der Universität in Oxford – die Sprachfähigkeit des Menschenhirns orchestrieren hilft. Bereits 2001 hatten die britischen Forscher herausgefunden, dass für eine normale Sprachentwicklung zwei intakte Kopien dieses Gens notwendig sind. Menschen, die ein FOXP2 Gen mit einer bestimmten Punktmutation geerbt haben, versteht schlichtweg niemand: Sie haben Schwierigkeiten mit der Sprachentwicklung, der Artikulation und dem Sprachverständnis – Satzbauregeln, die selbst Kleinkinder spielend beherrschen, bleiben ihnen rätselhaft.

Dabei bringt der Mensch den Sinn für Grammatik schon mit auf die Welt, das zeigen entsprechende Befunde von Linguisten. Das Kulturgut Sprache wird somit zu einem Produkt der evolutionären Auslese – und womöglich zum maßgeblichen Unterscheidungskriterium zwischen Menschen und Affen. Letztere sind, obwohl sie ein FOXP2-Gen besitzen (wie übrigens Mäuse auch), eben nicht sprachbegabt wie der Mensch. Wissenschaftler um Svante Pääbo vom Max-Planck- Institut für evolutionäre Anthropologie sind deshalb der Frage nachgegangen, welche Unterschiede im FOXP2-Gen zwischen Menschen und Schimpansen bestehen, und ob diese für die mangelnde Sprachgewandtheit unserer äffischen Verwandten verantwortlich sein könnten.

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