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Warum Leben auf Diversität setzt

Nischenvielfalt - jedem sein eigenes Reich


Die Pflanzen in den jeweiligen Wiesenparzellen sind im Juli bereits gut hoch gewachsen.

Im Frühjahr 2002 starteten die Max-Planck-Forscher im Saaletal bei Jena ein Projekt, welches an Größe und angestrebter Laufzeit (10 Jahre) die bisherigen Versuche übertrifft: Auf einer Fläche von 13 Fußballfeldern legten sie über 400 Wiesenparzellen an und säten 495 verschiedene Mischungen von Wiesenpflanzen aus. Diese stammten aus einem Pool von 60 Pflanzenarten, die vier verschiedenen funktionalen Gruppen zugeordnet werden konnten. Fünf Monate nach der Aussaat wurden die Wiesen zum ersten Mal gemäht, die Pflanzen nach Arten sortiert und gewogen.

Es bestätigten sich die Ergebnisse früherer Experimente: Artenreiche Wiesen produzierten mehr Biomasse als artenarme. Dabei wirkte sich der Verlust einer funktionellen Gruppe verstärkt auf die Produktivität aus. Um festzustellen, inwieweit Wiesen mit weniger Pflanzenarten z.B. das Nährstoffangebot schlechter nutzen (manche Pflanzenarten benötigen viel Stickstoff, andere eher Phosphor), nehmen die Forscher in regelmäßigen Abständen Wasserproben. Da überschüssige, also nicht genutzte Nährstoffe im Boden versickern, belasten sie das Grundwasser. Steigt der Gehalt an bestimmten Nährstoffen in der Wasserprobe, so wäre das ein Beleg dafür, dass artenarme Systeme die angebotene Nischenvielfalt nicht ausnutzen können.


Im BIODEPTH-Experiment waren alle Parzellen unterirdisch "verkabelt", um Bodenwasser zu gewinnen.

Offen ist, inwieweit sich die Ergebnisse aus den Wiesen-Experimenten auch auf Wälder übertragen lassen. Angesichts zunehmender Sturmschäden in den vergangenen Jahren werden derzeit verstärkt Waldumbauprogramme gefördert. Welche möglichen Vorteile sich aus dem Umbau von artenarmen in arten- und strukturreiche Bestände ergeben, ist allerdings noch wenig untersucht. Mit BIOTREE haben die Biogeochemiker im Frühjahr 2003 ein weiteres, weltweit einzigartiges Projekt gestartet: Auf insgesamt 80 ha Brachland werden in den nächsten zwei Jahren 250 000 Bäume gepflanzt. Diese Bestände sollen über die kommenden Jahre und Jahrzehnte hinweg wissenschaftlich untersucht werden. Messinstrumente im Boden, an den Pflanzen sowie ein meteorologischer Messturm erfassen die Prozesse und Veränderungen von Boden, Vegetation und Atmosphäre beim heranwachsen des Waldes. Vielleicht bewegt wenigstens der wissenschaftlich bestätigte Nutzen die Menschen, den biologischen Reichtum auf dieser Erde zu schützen.

BIOMAX Ausgabe 14, Herbst 2003; Autorin: Christina Beck

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