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Wie Gründergeist das Wirtschaftswachstum ankurbelt

Mehr Mut zum Risiko


Zahl der Start-ups im Verhältnis zur Bevölkerung (je 1000 Einwohner) zwischen 1998 und 2000 im Bereich der ICT-Industrie (Informations- und Kommunikationstechnologie) in verschiedenen Regionen Deutschlands.

Wenn Netzwerke, wie im Fall Intershop, vor allem durch Ausgründungen entstehen, „dann wäre die Politik besser beraten, mehr auf die natürliche Unternehmens-Nachkommenschaft am Ort zu setzen“, sagt Guido Bünstorf. Der zeitweilige Erfolg von Intershop, das konnte Bünstorfs Kollege Dirk Fornahl feststellen, hat auf jeden Fall die Haltung in der Region in Bezug auf unternehmerische Aktivitäten und die Bereitschaft, eine Firma zu gründen, positiv beeinflusst. Zwei Drittel der von ihm befragten fast hundert Start-up-Gründer in der Region gaben an, dass das positive unternehmerische Umfeld ein wichtiger Faktor bei ihrer Gründungsentscheidung gewesen sei.

Der Wirtschaftswissenschaftler David B. Audretsch bezeichnet die Fähigkeit einer Region, unternehmerisches Verhalten zu erzeugen, als das „Entrepreneurship-Kapital“ der Region. Dazu gehören Aspekte wie die soziale Akzeptanz unternehmerischen Verhaltens, Personen, die mutig genug sind, das Risiko einer Unternehmensgründung auf sich zu nehmen, sowie Banken und Risikokapitalgeber, die bereit sind, ein solches Risiko, aber natürlich auch den Nutzen zu teilen. „Je mehr Neugründungen es in Relation zur Einwohnerzahl gibt, desto größer ist das Entrepreneurship-Kapital der Region. Und je größer das Entrepreneurship-Kapital, das zeigen statistische Analysen, desto größer ist die wirtschaftliche Produktivität“, so der Amerikaner, der seit 2003 Direktor am Max-Planck-Institut für Ökonomik ist.


Die Total Entrepreneurial Activity (TEA) misst den prozentualen Anteil der erwachsenen Bevölkerung, der an einem Start-up oder einer "neuen" Firma (nicht älter als 42 Monate) beteiligt ist.

In unseren modernen wissensbasierten Wirtschaften genügt es nicht, die Wirtschaftspolitik auf die Generierung neuen Wissens zu konzentrieren, um größeres Wirtschaftswachstum zu erzeugen. „Wer Wachstum will, muss förderliche Rahmenbedingungen für kreative, selbstständige Existenzen und innovative Köpfe schaffen“, so Audretsch. Europa besitzt zwar einen starken Innovationsprozess, es ist aber vergleichsweise schwach bei der Nutzung dieses neuen Wissens und seiner Umsetzung in wirtschaftliches Wachstum – das ist das „europäische Paradox“.

Ein Blick auf das amerikanische Wirtschaftsmodell zeigt, warum die Gründerquote in den Vereinigten Staaten soviel höher ist als beispielsweise in Deutschland: Neben ökonomisch messbaren Variablen wie niedrigen Steuersätzen, geringen Arbeitskosten, wenig Regulierung und einem Minimum an Auflagen, ist es auch das hohe Maß an Anerkennung, das die amerikanische Öffentlichkeit demjenigen zollt, der Mut zum Risiko und Eigenverantwortlichkeit beweist. „Deutsche Tüftler wagen es viel zu selten, mit ihren Ideen auf den Markt und an die Öffentlichkeit zu gehen, denn die Angst belächelt zu werden und zu scheitern, ist größer als der Ansehenszuwachs durch Ideenentwicklung“, schreibt Audretschs Mitarbeiterin Heike Grimm in einem Kongressbeitrag.

Intershop-Gründer Schambach hat das Gründungsklima in Jena zumindest nachhaltig positiv beeinflusst. Für die Region ist das, was rund um Intershop passiert, ein Riesenerfolg – auch wenn es sich nicht im Portfolio der Investoren niedergeschlagen hat.

GEOMAX-Ausgabe 13, Herbst 2007; Autorin: Christina Beck

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