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Wie Gründergeist das Wirtschaftswachstum ankurbelt

Ein neuer Industriezweig in der Region

Ist das tatsächlich alles, was von der New Economy übrig geblieben ist? Am Max-Planck-Institut für Ökonomik in Jena haben die Wissenschaftler Aufstieg und Fall von Intershop genauer unter die Lupe genommen. Sie wollten herausfinden, ob das dot.com-Unternehmen nicht doch einen signifikant positiven Beitrag zur Entwicklung am Standort Jena geleistet hat. „Das Wachstum von Intershop hat den Weg für einen neuen auf Softwareentwicklung basierenden Industriezweig in der Region bereitet“, sagt Guido Bünstorf, Mitarbeiter in der Abteilung Evolutionsökonomik von Ulrich Witt. Als Koevolution bezeichnen die Forscher diesen Prozess, der den wechselseitigen Einfluss von Unternehmensentwicklung und der Entstehung neuer Wirtschaftszweige beschreibt – und bedienen sich dabei nicht ganz zu Unrecht eines Begriffs aus der Biologie.

Tatsächlich sind die Max-Planck-Wissenschaftler bei ihren Arbeiten auf ganz neue Entwicklungsmuster in der Wirtschaft gestoßen, die von den herkömmlichen Theorien so nicht erfasst werden. Diese sahen wie folgt aus: Eine erfolgreich wachsende Firma zieht qualifizierte Arbeitnehmer in die Region – das Humankapital wächst. Anbieter von Serviceleistungen und Zulieferer siedeln sich an, die sich spezifisch auf die Bedarfe des Unternehmens ausrichten. Innerhalb der Region kommt es zu Wissensflüssen (Knowledge Spillover), dadurch dass Mitarbeiter verschiedener Unternehmen Kontakt miteinander haben. Auch Kooperationen, die einen regelmäßigen Austausch von Wissen erfordern, lassen sich vor Ort einfacher und kostengünstiger gestalten. Darüber hinaus haben die Unternehmen Einfluss auf die regionale Politik – sei es durch die öffentliche Wahrnehmung der Branche oder durch bewusstes Lobbying –, so zum Beispiel, wenn es um die wissenschaftliche Ausrichtung von Hochschulen und Forschungseinrichtungen geht. All diese Faktoren führen dazu, dass sich weitere Unternehmen aus der Branche in der Region ansiedeln. Im Fachjargon spricht man von Clusterbildung.

In der Politik haben lokale Cluster in den vergangenen Jahren viel Aufmerksamkeit erfahren, da sie in der Regel wirtschaftlich sehr erfolgreich sind und Wirtschaftskraft und Beschäftigung in der Region mit sich bringen. Das bekannteste Beispiel ist wohl das amerikanische Silicon Valley nahe bei San Francisco. Deshalb wurden auch immer wieder politische Programme aufgelegt, um lokale Cluster zu erzeugen oder deren Entwicklung zumindest zu unterstützen (der InnoRegio-Wettbewerb in Deutschland ist ein Beispiel dafür). „Es ist gut Cluster zu haben“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Bünstorf: „Aber die Möglichkeiten politischer Einflussnahme auf den Clusterbildungsprozess sind doch eher begrenzt.“

Und das hat seinen Grund. Denn nachdem, was die Jenaer Ökonomen herausgefunden haben, sind nicht günstige Rahmenbedingungen, Netzwerk-Effekte oder lokale Besonderheiten die Ursachen für den wirtschaftlichen Erfolg von Regionen, sondern der Einfluss bestehender Unternehmen auf die Zahl und die Qualität von Neugründungen in einer Region. Als besonders erfolgreich erweisen sich dabei Firmengründungen von Mitarbeitern, die dazu ihr ursprüngliches Unternehmen verlassen – von den Forschern Spin-offs genannt. Offenbar können diese auf einem spezifischen Know-how aufbauen, das sie in der bestehenden Firma erworben haben und das sie besonders dazu befähigt, als Gründer aktiv zu werden. Belege für diese These hat der Wirtschaftswissenschaftler zusammen mit seinem amerikanischen Kollegen Steven Klepper von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh reichlich gesammelt, beispielsweise im amerikanischen Akron.

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