Wie Gründergeist das Wirtschaftswachstum ankurbelt
Die Internetblase platzt
Der Aktienkurs (in Euro) der Intershop Communications AG hat sich von dem Einbruch 2001 bis heute nicht erholt.
Im Internet bewegten sich nun mehr als 200 Millionen Menschen, drei Milliarden E-Mails wurden jeden Tag verschickt, jede Stunde tauchten 62.500 neue Seiten im Netz auf, die ersten deutschen Vorzeige-Start-ups stellten jeden Monat 30 neue Leute ein. Mit dabei: das Jenaer Unternehmen Intershop. Die 1992 von Stephan Schambach, Karsten Schneider und Wilfried Beeck gegründete Firma brachte Mitte der neunziger Jahre die weltweit erste voll funktionsfähige Software für den Internethandel auf den Markt (sechs der zehn umsatzstärksten deutschen E-Commerce-Portale laufen auch heute noch mit der Software aus Jena). Ein Jahr später war Intershop das erste deutsche Software-Unternehmen, dem es gelang, eine beträchtliche Summe Risikokapital einzuwerben.
Danach wuchs das Unternehmen rapide. Man wollte Weltmarktführer werden. Auch deshalb wurde der Firmensitz von Jena nach San Francisco verlagert und die Expansion in den US-Markt betrieben. Im Silicon Valley seien alle entscheidenden Analysten, Kunden und Technologiepartner ansässig, so Schambach. 1998 gelang der Sprung an die Börse: Intershop wurde am Neuen Markt gelistet und kurz darauf auch an der amerikanischen Technologiebörse NASDAQ. Im März 2000 hatte die Firma zeitweilig einen Aktienwert von mehr als 11 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg von 540.000 Euro im Jahr 1996 auf 123 Millionen in 2000, die Zahl der Mitarbeiter weltweit von 43 auf 1218.
Doch so rasant der Aufstieg, so rasant ging es auch wieder bergab: 2001 büsste die Firma an einem Tag 70 Prozent ihres Börsenwertes ein. Das Vertrauen der Anleger in den einstigen Börsenstar war verloren gegangen. Der Grund: Insgesamt 39,3 Millionen Euro hatte die Software-Firma 2000 an Verlusten angehäuft. Das Minus je Aktie betrug 0,47 Euro. Es folgten Entlassungen. Im Laufe der kommenden Jahre verließen etwa 500 Mitarbeiter das Unternehmen. Auch die drei Firmengründer schieden aus. Neue Leute sollten das Unternehmen, das seine Zentrale inzwischen wieder nach Jena verlagert hat, aus der Krise führen. Doch bis heute ist Intershop ein Sanierungsfall. Von den über 1000 Angestellten sind weniger als 250 übrig, der Börsenwert stürzte von mehreren Milliarden auf weniger als 45 Millionen Euro ab. Die Aktionärsvereinigung DSW setzte Intershop 2006 auf Platz 1 der „50 größten Kapitalvernichter“ unter den deutschen Börsenkonzernen: Wer Ende 2000 Intershop-Aktien im Wert von 10.000 Euro geordert hatte, bekam dafür Ende 2005 nur noch knapp 27 Euro, rechnete die DSW vor.