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Forscher rüsten Tuberkulose-Impfstoff nach

Teure Antibiotika


Forscher vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation haben die Zirkulation von Geldscheinen untersucht, die durch reisende Menschen transportiert werden, und damit die theoretische Basis für die Modellierung der Seuchenausbreitung bereitet.

Heute wird die Tuberkulose mit einer Kombination aus wenigstens drei verschiedenen Antibiotika bekämpft. Diese unterscheiden sich in ihren Wirkmechanismen, sodass die Erreger auf unterschiedlichen Stufen abgetötet werden oder ihre Vermehrung gestoppt wird. Eine solche Therapie zieht sich über mehrere Monate hin. Allzu oft bleibt die Erkrankung jedoch unbehandelt oder die Behandlung wird zu früh abgebrochen. Viele Tuberkulose-Kranke beispielsweise in Indien stehen bisher vor der Wahl: Arbeit oder Behandlung. Sie riskieren ihren Job als Tagelöhner, wenn sie die Medikamente in der oft nur wenige Stunden geöffneten und weit entfernten Gesundheitsstation abholen.

Ein verfrühter Abbruch der Therapie kann jedoch zu resistenten Erregerstämmen führen. Bei einem erneuten Krankheitsausbruch sind die verwendeten Medikamente dann nicht mehr wirksam. Dies gilt auch für Personen, die sich danach bei dem Erkrankten angesteckt haben. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO konnten mittlerweile in jedem Land TB-Stämme nachgewiesen werden, die gegenüber einzelnen Antibiotika resistent sind. Insbesondere in den Staaten der früheren Sowjetunion treten immer mehr multiresistente Stämme auf. Die Kosten für die Behandlung einer multiresistenten Tuberkulose können schnell auf das Hundert- bis Tausendfache ansteigen. In den ärmsten Ländern bedeutet eine multiresistente Tuberkulose daher häufig das Todesurteil.

Im Durchschnitt infiziert jede Person mit aktiver TB 10 bis 15 andere Personen pro Jahr. Und dieses Ansteckungsrisiko beschränkt sich nicht mehr allein auf die Entwicklungsländer. Durch die erhöhte Mobilität sind auch die Bewohner in den Industrieländern wieder stärker bedroht. Denn anders als in früheren Jahrhunderten, reisen die Menschen in der heutigen globalisierten Welt viel weiter, viel häufiger und vor allem – viel schneller. So können sich hoch virulente Krankheitserreger in kürzester Zeit über alle besiedelten Gebiete der Erde ausbreiten. Ein wirksamer Impfstoff gegen Tuberkulose wird daher heute mehr denn je benötigt.

1921 entwickelten die beiden französischen Forscher Albert Calmette und Camille Guérin am Pasteur Institut in Lille einen Impfstoff gegen Tuberkulose. Bei BCG (Bacille-Calmette-Guérin) handelt es sich um einen Lebendimpfstamm, der von Mycobacterium bovis, dem Erreger der Rindertuberkulose stammt. Er wurde gezielt abgeschwächt – zahlreiche Gene, die für die Pathogenitätseigenschaften des Bakteriums verantwortlich zeichnen, sind dabei verschwunden. Dieser Impfstoff ist mit weltweit mehr als drei Milliarden Impflingen und jährlich rund 100 Millionen Neugeborenen-Impfungen der am weitesten eingesetzte Impfstoff überhaupt (in Deutschland wird keine generelle BCG-Impfung mehr durchgeführt, da das Infektionsrisiko für Tuberkulose unter 0,1 Prozent liegt). Er kann bei Kleinkindern die lebensbedrohende Miliartuberkulose verhindern, gegen die weltweit häufigste Form der Erkrankung, die Lungentuberkulose des erwachsenen Menschen, ist er allerdings weitgehend wirkungslos.

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