Fachwissen Biologie Infektionsbiologie Tuberkulose


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Forscher rüsten Tuberkulose-Impfstoff nach

Mikroben schachmatt gesetzt


Makrophage bei der Aufnahme von Tuberkelbazillen (rot).

Den Erreger der Tuberkulose ans Licht zu ziehen, war eine schwierige Aufgabe. Robert Koch fertigte Hunderte von Präparaten aus Patientengewebe an. Seine Finger und Hände wurden buntscheckig von all den Farben, die er ausprobierte, und grau von den scharfen Säuren, mit denen er arbeitete. Peinlich genau hielt er fest, welche Mischung er bei jedem Präparat verwendete. Dann trocknete und ordnete er die Ausstriche, um sie der Reihe nach unter dem Mikroskop zu untersuchen: Er prüfte einen Objektträger nach dem anderen – nichts. Es waren keine Bazillen zu sehen. Hundert neue Präparate wurden sorgfältig gefärbt, wieder nach einer neuen Methode. Einen Tag lang ließ Koch die Ausstriche in der Mischung liegen, das Mikroskopieren begann am vierten Tag von neuem. Er untersuchte vierzig, fünfzig Objektträger. Nichts. Noch immer nichts. Und dann endlich: Vereinzelt oder in Reihen nebeneinander liegen winzige, schlanke, leicht gekrümmte Stäbchen. Sie sind sehr dünn, ein Viertel, höchstens halb so groß wie der Durchmesser eines roten Blutkörperchens. An den Enden scheinen sie zugespitzt. In ihrer schönen blauen Färbung sind sie leicht zu erkennen – die Tuberkelbazillen!

Mycobacterium tuberculosis ist besonders anspruchsvoll im Umgang, und es ist schwierig mit ihm zu experimentieren und so verdient Robert Kochs Arbeit auch aus heutiger Sicht noch höchste Anerkennung. Tuberkelbazillen sind mit konventionellen Färbemethoden nur schwer darzustellen. Koch hatte hierin Erfolg durch Zugabe von Methylenblau gefolgt von Vesuvin (Bismarcks Braun), was dem Wirtsgewebe eine bräunliche und den Mikroben eine tiefblaue Färbung verlieh. Der nächste Schritt war die Isolierung der Bakterien und deren anschließende Kultur in reiner Form. Koch benutzte Rinder-Serum, das bei 58°C für eine Stunde an sechs aufeinander folgenden Tagen sterilisiert wurde. Anschließend erhitzte er das Serum für einige Stunden bei maximal 65°C, sodass es sich verfestigte. Um die Oberfläche für das bakterielle Wachstum zu vergrößern, brachte Koch die Reagenzröhrchen, in denen die Bakterien wuchsen, in Schieflage. Es dauerte zehn Tage, bis kleine, trockene Kolonien zu sehen waren.

Es folgten zahlreiche Experimente, in denen Koch Versuchstiere mit isolierten Kulturen von M. tuberculosis infizierte. Die Identifizierung, Isolierung und schließlich die erfolgreiche Infektion mit isolierten Tuberkelbazillen „berechtigen zu dem Ausspruch“, so Koch in einem Vortrag vor der Physiologischen Gesellschaft zu Berlin, „dass die in den tuberkulösen Substanzen vorkommenden Bazillen nicht nur Begleiter des tuberkulösen Prozesses, sondern die Ursache desselben sind.“ Kochs Vortrag wurde kaum drei Wochen später, am 10. April 1882, in der Berliner Klinischen Wochenschrift veröffentlicht. Zu dieser Zeit war in den Hauptstädten Europas Tuberkulose die Ursache bei nahezu einem Drittel aller Todesfälle von Erwachsenen.

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