Fachwissen Biologie Infektionsbiologie Tuberkulose


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    Der Film zeigt, wie Mathematiker vom Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation in Göttingen ein Bill-Tracking-Spiel auswerten, um ein Modell für die Ausbreitung von Seuchen zu entwickeln.
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Bakterien und Resistenzen

In den vergangenen Jahren hat sich an vielen Beispielen gezeigt, dass schon fast vergessene Infektionskrankheiten die Menschheit plötzlich wieder bedrohen. Die meisten Menschen mögen die Pest, eine der schrecklichsten Seuchen des Mittelalters, für, besiegt gehalten haben; doch der Erreger Yersinia pestis lauert auch heute noch auf eine günstige Gelegenheit, sich wieder auszubreiten: So kam es 1994 in der Stadt Surat im Westen Indiens plötzlich zu einer Epidemie. Nur Dank sofortiger Maßnahmen der Gesundheitsbehörden konnte sie bald wieder eingedämmt werden.

Auch die Cholera, eine lebensbedrohliche Darminfektion, ist in der jüngsten Zeit an unvorhergesehenen Orten wieder aufgetaucht. Ein reger Reiseverkehr trägt zur Ausbreitung exotischer Keime bei. Mit den modernen molekulargenetischen Analysemethoden lässt sich ihre Wanderungsroute recht genau verfolgen. Der Erreger Vibrio cholerae ist Anfang der neunziger Jahre über Zentralafrika schließlich nach Südamerika gelangt. Er hat dort mehr als eine halbe Million Menschen infiziert und zahlreiche Todesopfer gefordert, vor allem unter den Armen. Sie haben sich durch den Verzehr roher Muscheln und durch unsauberes Trinkwasser, dem in Peru leichtsinnigerweise kein Chlor mehr zugesetzt wurde, angesteckt. Ein neuer, besonders gefährlicher Stamm tauchte zudem 1992 in Südindien, Bangladesch und Thailand auf.

Sogar vor unserer unmittelbaren Haustür, in Osteuropa, zeigte sich Anfang der neunziger Jahre, eine lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die Diphtherie, plötzlich wieder mit unerwarteter Heftigkeit. Durch den Zusammenbruch der Sowjetunion und den damit einhergehenden gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüchen waren Schutzimpfungen vernachlässigt worden. Daraufhin machte sich der Erreger, Corynebacterium diphtheriae, wieder breit. Mehr als 150000 Personen erkrankten in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion, einige Tausend starben daran. Auch unter den Reisenden aus dem westlichen Europa forderte die Infektion mehrere Opfer. Erst eine mit internationaler Hilfe gestartete Massenimpfkampagne konnte die Gefahr einer weiteren Ausbreitung bannen.

Auch wenn viele wichtige krankmachende Bakterien bereits vor rund hundert Jahren identifiziert wurden, entdecken die Forscher nach wie vor neue Keime. Ein Beispiel hierfür sind die Legionellen, die schwere Lungenentzündungen auslösen können. Normalerweise Bewohner feuchter Böden und Gewässer, eroberten sie sich durch die moderne Lebensweise des Menschen neue Nischen und wurden erst dadurch zur Gefahr: Sie nisten gerne in Warmwasserbehältern, Klimaanlagen, Luftbefeuchtern oder Sprudelbädern. Und werden so in die Luft versprüht. Für die meisten Menschen sind die Legionellen ungefährlich. In größeren Mengen eingeatmet, z.B. beim Duschen, können sie bei abwehrgeschwächten älteren Personen aber lebensbedrohliche Infektionen auslösen.

Zu den neu entdeckten bakteriellen Krankheitserregern gehören auch Borrelia burgdorferi, die von Zecken übertragen werden. Andere Bakterien, wie Helicobacter pylori, sind zwar schon länger bekannt, ihre krankheitsauslösende Rolle wurde aber erst in der jüngsten Zeit richtig eingeschätzt.

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