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Schleifstein am Firmament


Ein Balken im Auge der Milchstraße: Die etwa 27.000 Lichtjahre lange Struktur wurde erst kürzlich nachgewiesen.

„Meine dritte Beobachtung betrifft das Wesen der Milchstraße (...) Auf welchen ihrer Abschnitte man das Fernrohr auch richten mag, sogleich zeigt sich dem Blick eine ungeheure Menge von Sternen, von denen mehrere ziemlich groß und sehr auffallend sind; die Anzahl der kleinen jedoch ist schlechthin unerforschlich.“

Im März des Jahres 1610 schreibt das ein Mann, der mit einem selbstgebauten Fernrohr ein unbekanntes Land erforscht hat und damit in die Geschichte eingehen wird: Galileo Galilei. Das Land ist buchstäblich nicht von dieser Welt, und so trägt die Schrift den Titel Sidereus Nuncius („Der Sternenbote“). Darin schildert der italienische Mathematiker und Astronom seine Beobachtungen der Jupitertrabanten, des Erdmondes und eben der Milchstraße. Deren Natur war bis dahin rätselhaft und vor allem Gegenstand der Mythologie.

Dabei hatte schon der griechische Naturphilosoph Demokrit im 5. Jahrhundert vor Christus behauptet, das diffus leuchtende Himmelsband – von den afrikanischen ! Kung-Buschmännern „Rückgrat der Nacht“ genannt – bestehe aus unzähligen schwachen Sternen. Nach der Entdeckung Galileis sollten aber noch einmal nahezu 150 Jahre vergehen, bis sich ein Wissenschaftler Gedanken über das Gebilde macht: Thomas Wright of Derham glaubt, die Sterne seien in einer flachen, einem Schleifstein ähnlichen Region angeordnet, die um den gesamten Himmel reicht. Die Milchstraße sei nichts anderes als die Projektion dieses Schleifsteins. Der deutsche Philosoph Immanuel Kant greift die These auf – und kommt der Wahrheit sehr nahe.

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