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Forschen im Takt der Marszeit
Seit Januar 2004 gehen die Uhren in Pasadena bei Los Angeles anders als im übrigen Kalifornien, zumindest im Jet Propulsion Laboratory (JPL), einem Kontrollzentrum der Nasa. Von hier aus steuern Forscher die Mars-Rover Opportunity und Spirit, die Anfang des Jahres 2004 auf dem Roten Planeten gelandet und seitdem als „mobile Feldgeologen“ im Einsatz sind. Dazu erhalten sie jeden Morgen um neun Uhr Befehle aus Kalifornien, die sie im Lauf des Tages abarbeiten. Jeden Morgen, das heißt, kurz nachdem die Sonne auf dem Mars aufgegangen ist. In Pasadena ist es zur gleichen Zeit mal taghell, mal stockduster. Denn der Marstag ist knapp 40 Minuten länger, als ein Tag auf der Erde. Für die Forscher ist dies ein harter Test, inwieweit sich der eigene Biorhythmus strapazieren lässt. Denn die Dienstpläne beim JPL werden strikt nach dem Marstag geschrieben. Und so beginnt für jene, die für die Tagschicht eingeteilt sind, der Dienst zunächst am frühen Morgen, nach zwei Wochen jedoch erst gegen Abend – bezogen auf die Erdzeit. "Und dann muss man die ganze Nacht durcharbeiten“, erzählt Ralf Gellert vom Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, der bereits wiederholt mehrere Wochen am Stück in Pasadena gearbeitet hat.
Das JPL hat einen Uhrmacher beauftragt, mechanische Armbanduhren umzubauen, sodass sie tatsächlich 40 Minuten pro Tag nachgehen. Seitdem trifft man in Pasadena Wissenschaftler, die mit zwei Uhren am Handgelenk durch die Gänge eilen. Wer die 200 US-Dollar für den ausgefallenen Chronographen nicht ausgeben will, kann sich allerdings auch nach den Radioweckern in den Büros richten. Ihre Elektronik wurde ebenfalls auf Marszeit getrimmt. Und so weiß jeder vom Team, wann er zur großen Lagebesprechung um 18 Uhr Marszeit zu erscheinen hat – obwohl es draußen vielleicht schon seit Stunden stockfinster ist.