Fachwissen Erdkunde Geozonen Überschwemmungsgebiete


weiterführende Links
  • Global Forest Watch
    - eine Initiative des World Resources Institute in Washington, USA
  • Klima-Bündnis
    der europäischen Städte mit indigenen Völkern der Regenwälder
Zum Thema

Wald - Lebensraum und Klimafaktor


Waldbrände vom Flugzeug aus beobachtet.

Weltweit gehen jedes Jahr 16 Millionen Hektar naturnaher Wald verloren. In jeder Minute sind das 30 Hektar oder eine Fläche von 43 Fußballfeldern. Während in Europa ohnehin nur noch 10 bis 20 Prozent der ursprünglichen Waldflächen vorhanden sind, werden zurzeit insbesondere tropische (z.B. in Brasilien) und boreale, also den in den nördlichen Breiten gelegene Wälder (z.B. in Sibirien) gerodet oder nieder gebrannt. Zum einen, weil auf dem Weltmarkt ein riesiger Bedarf an Holz besteht und sich vor allem Tropenhölzer teuer verkaufen lassen. Zum anderen, weil die Bevölkerung in vielen Ländern rasant wächst und deshalb immer mehr Ackerland und Weideflächen gebraucht werden, um diese Menschen zu ernähren.

So hat sich alleine in Brasilien seit 1960 die Bevölkerung verzehnfacht. Gut ein Viertel der 8,5 Millionen Quadratkilometer Gesamtfläche Brasiliens – das damit der größte Flächenstaat in Südamerika ist – sind intakte Waldökosysteme. Noch sind sie ungestört und groß genug, um eine entsprechende Artenvielfalt zu erhalten. Doch jährlich werden in Brasilien 17600 Quadratkilometer abgeholzt – 80 Prozent nach Schätzungen von Experten illegal. Damit hat Brasilien insgesamt mittlerweile 570 000 Quadratkilometer des amazonischen Regenwalds verloren – eine Fläche von der Größe Frankreichs.

Für die betroffenen Regionen sind die Folgen dieses Kahlschlags verheerend. Unzählige Pflanzen und Tiere verlieren ihren Lebensraum. Denn obwohl nur sechs Prozent der Erde mit Tropenwald bedeckt sind, leben alleine dort schätzungsweise 50 bis 80 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten. Darüber hinaus bedeutet die fortschreitende Zerstörung des Regenwaldes auch eine Zerstörung der Existenzgrundlagen für die indigenen Völker. Schon seit Jahrzehnten schwelt der Konflikt zwischen Indigenen und eindringenden Siedlern, Kleinbauern und Holzunternehmen – 24 indigene Führer wurden 2003 in Brasilien ermordet.

Aber diese Waldzerstörung hat auch noch einen anderen, globalen Aspekt: Wälder enthalten ca. 46 Prozent des gesamten terrestrischen Kohlenstoffs, ein Großteil davon im Boden. Die Bindung von Kohlendioxid aus der Luft in dieser Biomasse ist der einzige bekannte praktische Weg, um der Atmosphäre größere Mengen von Treibhausgas zu entziehen. Durch die „Düngung“ der Wälder aufgrund des Kohlendioxid-Anstiegs und die globale Erwärmung werden Schätzungen zufolge jährlich zwei Milliarden Tonnen Kohlenstoff zusätzlich in Wäldern und Böden gespeichert. Darüber hinaus verhindern Wälder die Erosion der Böden, regulieren den Süßwasserkreislauf der Erde und binden viele Schadstoffe. Und wie alle anderen Grünpflanzen produzieren sie Sauerstoff, ohne den der Mensch auf der Erde nicht leben könnte.

Großflächige Kahlschläge vernichten den Tropenwald meist unwiederbringlich. Denn selbst wenn man hier in großem Stil wieder aufforsten wollte, würde einem die Biologie gewaltige Hürden in den Weg stellen. Trotz mitunter undurchdringbarem Bewuchs sind Tropenböden nämlich nicht besonders fruchtbar. Im Gegenteil – sie sind sogar extrem nährstoffarm. Denn bei dem feuchtwarmen Klima werden Blätter und anderes Pflanzenmaterial, das zu Boden fällt, mit rasanter Geschwindigkeit zersetzt. Mehr als 90 Prozent der so genannten Streu werden innerhalb eines Jahres abgebaut. Theoretisch wäre in vier bis fünf Jahren der gesamte Humus im Boden eines intakten Tropenwalds verschwunden, wenn abgestorbenes Pflanzenmaterial nicht kontinuierlich nachgeliefert würde.

Im Zentrum dieses Recyclings stehen Bakterien und Mykorrhizen – Pilze, die in Symbiose mit Baumwurzeln leben. Die von ihnen freigesetzten Mineralien und Nährstoffe werden sofort wieder von den Bäumen aufgenommen. Eine Anreicherung im Boden – wie in den gemäßigten Klimazonen – findet nicht statt. Werden die Bäume gefällt und abtransportiert oder nieder gebrannt, fehlt das Substrat für eine natürliche Regenerierung, wie man sie in gemäßigtem Klima beobachten kann, wenn man die entsprechenden Flächen nur lange genug in Ruhe lässt. Aus den artenreichsten Ökosystemen der Welt werden durch Rodung deshalb in kürzester Zeit Flächen mit einer artenarmen Sekundärvegetation aus anspruchslosen Sträuchern und Gräsern.

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