Fachwissen Chemie Aromate funktionelle Farben


Wie Forscher das Spektrum aufmischen

Coole Farben in heißen Autos


Neue am Max-Planck-Institut für Polymerforschung entwickelte Rylenfarbstoffe in Lösung.

Seit Urzeiten haben Farben eine magische Wirkung auf Menschen. Unsere Vorfahren konnten schon vor Jahrzehntausenden virtuos mit Farben umgehen, wie die eindrucksvollen Höhlenmalereien belegen. Die Eiszeitkünstler verwendeten für ihre dynamischen Graffitis natürliche, meist mineralische Farben wie Ocker. Tausend Generationen später finden heutige Künstler ihre Materialien nicht mehr in der Natur, sondern sogar im Regal eines Baumarkts: Die Spraydose liefert jederzeit – und oft schneller als es die Polizei erlaubt – brillant leuchtende und ziemlich gut haftende Farben.

Moderne synthetische Farben werden von einer globalen Chemieindustrie produziert, die unsere Welt sichtbar verändert hat. Stark leuchtende Farbtöne waren bei Kleidern oder Alltagsgegenständen nicht immer so selbstverständlich. Die Natur gab früher nur sehr wenige wirklich brillante Färbemittel her. Diese waren extrem teuer, wie zum Beispiel das Purpur, das bis zum Mittelalter die Mäntel von Kaisern und Kardinälen in leuchtendes Rot tauchte. Diese Luxusfarbe stammt aus dem Drüsensekret der Purpurschnecke. Das Meerestier musste in großen Mengen gefangen werden – es wurde zerschnitten, gesalzen und etwa zehn Tage lang gekocht. Das ergab schließlich ein kleines bisschen reines Purpur. Die Prozedur war so teuer, dass sogar die reiche Kirche 1464 beschloss, die Kardinalskleidung sei ab sofort mit dem billigeren Scharlachrot von Kermesschildläusen zu färben.

1856 wollte der junge Londoner Chemiker William Henry Perkin ein neues Malariamittel aus Teerverbindungen entwickeln. Das ging zwar schief, doch Perkin entdeckte dabei die erste rein synthetische Farbe. Dieser Anilinfarbstoff ergab ein kräftiges Lila, das Seide gut färben konnte. Perkin taufte es Mauve (Malvenfarbe). Mauve wurde zur Modefarbe und löste eine industrielle Revolution aus. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schossen Farbenfabriken wie Internet-Startups aus dem Boden. Noch heute verweist mancher Konzernname stolz auf diesen Anfang: Das Anilin als Ausgangsstoff für viele Farben steckt zum Beispiel in BASF, das für Badische Anilin- und Sodafabrik steht.

Inzwischen haben Chemiker rund eine Million farbiger chemischer Substanzen synthetisiert. Etwa Zehntausend von ihnen werden oder wurden einst im industriellen Maßstab hergestellt. Diese „Farbmittel“ – das ist das Fachwort für die farbgebenden Komponenten einer Farbe – bestehen entweder aus Farbstoffen oder aus Pigmenten. „Farbstoffe sind in ihrem Anwendungsmedium löslich, Pigmente nicht,“ erklärt Andreas Herrmann den Unterschied. Der Forscher gehört zum Team von Klaus Müllen am Max-Planck-Institut für Polymerforschung. Die Mainzer sind an der Erfindung einer Reihe neuer Farbmittel beteiligt; einige davon sind von der Max-Planck-Gesellschaft oder von der BASF AG patentiert worden.

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