Gesellschaftsforschung

Bezieher niedriger Einkommen tragen wesentlich höhere Anteile ihres Einkommens zu den Steuereinnahmen aus dem Glücksspiel bei als Menschen mit hohen Einkommen.

Lottospieler zahlen für andere

Die jährlichen Staatseinnahmen aus Glücksspielen, deren Betreibung und Konzessionierung beziffern sich insgesamt auf etwa 5 Milliarden Euro. Allein die Hälfte davon stammt aus dem Lottospiel. Diese Summe, die größtenteils den Ländern zugute kommt, entspricht einem Anteil von rund 18 Prozent der jährlichen Ländersteuereinnahmen. Insgesamt erzielt der Staat circa 1,1 Prozent seiner Steuereinnahmen aus Glücksspielen. Das kommt dem jährlichen Volumen der Grunderwerbssteuer, dem 1,2-fachen der Erbschaftssteuer oder dem 1,5-fachen der Einnahmen aus alkoholbezogenen Steuern gleich.

Durch die stärkere Spielbeteiligung unterer sozialer Schichten findet beim Lottospiel eine Umverteilung von unten nach oben statt. Wie die Forscher vom Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in ihrer Studie zeigen konnten, sind Lotterien für untere soziale Schichten attraktiver, was dazu führt, dass Bezieher niedriger Einkommen wesentlich höhere Anteile ihres Einkommens zu den Steuereinnahmen aus dem Glücksspiel beitragen als Menschen mit hohen Einkommen.

Die Umverteilung durch das Lotteriespiel wird aber noch verstärkt durch die Art, wie die Lotterieeinnahmen verwendet werden. Rund 20 Prozent der Einnahmen aus den Spieleinsätzen sind für verschiedene Wohlfahrtseinrichtungen vorgesehen, die Förderung des Breitensports, aber auch Kunst- und Kulturprojekte wie die finanzielle Unterstützung von Museen oder die Denkmalpflege. Der Bereich, der von den zweckgebundenen Abgaben am stärksten finanziell subventioniert wird, ist der Breitensport. Am Beispiel des Breitensports haben die Kölner Forscher gezeigt, dass die Bevölkerungsgruppen, die mit ihren Lottoeinsätzen zu seiner Finanzierung beitragen, nicht auch diejenigen sind, die die so geschaffenen Angebote nutzen.

Die Art, wie der Staat die Glücksspieleinnahmen verwendet, führt somit zu teils ungerechten Umverteilungseffekten. Dem ließe sich entgegenwirken, beispielsweise indem durch eine Senkung des Jackpots auch der Anreiz zum Spielen gesenkt würde. Auch könnten mehr als die zurzeit ausgezahlten 48 Prozent der Einsätze wieder als Gewinne an die Spieler ausgeschüttet werden. Soweit staatliche Einnahmen aus dem Lottospiel erwirtschaftet werden, könnten diese gezielt zur Förderung der Bevölkerungsgruppen genutzt werden, die hauptsächlich Lotto spielen. Ein Beispiel hierfür wäre die Förderung von Bildungseinrichtungen für sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler.

Max-Planck-Gesellschaft (2008)