Verhaltensbiologie

Schlafendes Faultier

Das Faultier macht seinem Namen keine Ehre

EEG-Studien an Faultieren in Gefangenschaft haben ergeben, dass die Tiere im Schnitt mehr als 15 Stunden schlafen. Wer so lange auf der faulen Haut liegt, hat seinen Namen wohl verdient. Doch spiegeln diese Daten auch das Verhalten im Freiland wider? Um das herauszufinden, haben Forscher einen mobilen Miniaturrekorder entwickelt, der es ihnen ermöglicht, die Elektroenzephalogramme von Tieren in ihrer natürlichen Umgebung aufzunehmen.

Sie statteten drei wildlebende Dreizehenfaultier-Weibchen mit diesem Minirekorder und einer EEG-Sensorenkappe sowie mit einem Radiotelemetrie-Sender und einem Beschleunigungsmesser um den Hals aus und entließen die Tiere wieder in den Wad, wo ihre Aktivitäten über einen Zeitraum von mehreren Tagen telemetrisch verfolgt wurden. Dann wurden die Faultiere wieder eingefangen, die Geräte entfernt und ausgelesen. Das verblüffende Ergebnis: Faultiere schlafen im Durchschnitt sechs Stunden weniger, nämlich nur 9,63 Stunden.

Vermutlich müssen die Tiere in freier Wildbahn doch mit anderen Anforderungen kämpfen. So brauchen sie Zeit, um Futter zu suchen oder Gefahren auszuweichen - das Zooleben ist dagegen weitaus beschaulicher. Niels Rattenborg, Leiter der Studie, interessiert sich jedoch ganz generell für den Schlaf bei Tieren:"Es ist faszinierend, dass einige Tierarten viel länger schlafen als andere. Wenn wir die Gründe finden können, die den verschiedenen Schlafmustern zugrunde liegen, dann werden wir besser verstehen, wie Schlaf bei Säugetieren funktioniert, einschließlich des Menschen", so der Biologe.

Umfangreiche Freilandstudien - die Aktivitäten von zwei Dreizehenfaultieren haben die Forscher sogar kontinuierlich über sieben Monate durch Radiotelemetrie bestimmt - sind möglich geworden durch ein einzigartiges "Automatisches Telemetriesystem", das deutsche und amerikanische Forscher vor einigen Jahren auf der panamesischen Insel "Barro Colorado Island" installiert haben, einer Forschungsstation des Smithsonian Tropical Research Institutes. Es ermöglicht eine ganz neue Bandbreite an Verhaltensstudien bei Tieren.

Max-Planck-Gesellschaft (Mai 2008)