Astronomie

Künstlerische Darstellung der Raumsonde "Deep Impact" in der Nähe des Kometen 9P/Tempel 1 am 4. Juli 2005

Angriff auf Tempel 1

Es war kein „Krieg der Sterne“, wie die Boulevardpresse titelte. Die Aufprallenergie des kühlschrankgroßen Projektils entsprach lediglich einer Explosion von etwa 4,8 Tonnen TNT-Sprengstoff und war damit viel zu gering, um einem Kometenkern zu sprengen, der halb so groß wie Manhattan ist. Für uns auf der Erde zudem vollkommen ungefährlich, denn Tempel 1 befand sich, als ihn die amerikanische Kupferkugel traf, fast soweit von der Erde entfernt wie die Sonne, deren Eruptionen deutlich energiereicher sind als eine 4,8-Tonnen-Explosion. Dennoch muss der Aufprall ein ordentliches Loch in den Schweifstern gerissen haben.

Die Kollision wurde von der Raumsonde selbst, aber auch von vielen Stationen auf der Erde, vom Weltraumteleskop HUBBLE und der Raumsonde ROSETTA beobachtet. Dabei sollte das beim Aufprall in den Weltraum hinaus geschleuderte Kometenmaterial spektroskopisch analysiert werden und erstmals Informationen über die elementare Zusammensetzung wie auch die Dichte eines Kometenkerns liefern. Mehrere Instrumente auf der Europäischen Raumsonde ROSETTA, die am 2. März 2004 ins All gestartet war, wurden speziell für dieses Ereignis eingeschaltet. ROSETTA hatte einen Logenplatz, denn im Gegensatz zu den Teleskopen auf der Erde, die den Kometen nur wenige Stunden im Blickfeld hatten, konnte die Raumsonde den Kometenkern aus 79 Millionen Kilometer Entfernung rund um die Uhr beobachten.

Am 04. Juli um 7:52 Mitteleuropäischer Sommerzeit schlug das Kupfer-Projektil in den Kometen ein. Danach zeigte die Rosetta-Kamera OSIRIS, die von einem Konsortium unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung entwickelt wurde, einen dramatischen Anstieg der Helligkeit des Kometen. Innerhalb einer halben Stunde wurde der Komet sieben Mal heller als vor dem Einschlag und blieb danach in seiner Helligkeit konstant. Der Einschlag hat eine Wolke aus feinen Staubteilchen erzeugt. Das von ihnen reflektierte Licht konnte mit der OSIRIS-Kamera aufgenommen werden. Messdaten zeigen, dass dabei allerhand Chemikalien in den interplanetaren Raum gespritzt sind, darunter auch Alkohol und Blausäure.

Die Beobachtung des Kometen erfolgt noch bis zum 14. Juli. ROSETTA wird seine Reise fortsetzen und im Jahre 2014 "ihren" Kometen erreichen. Dann werden Bilder des Kometenkerns aus wenigen Kilometern erwartet.