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Geowissen
Atemtest am Regenwald
Brütende Hitze, Luftfeuchtigkeit von nahezu hundert Prozent und Heerscharen von Stechfliegen, die ständig um Kopf und Körper schwirren: Mitarbeiter des Mainzer Max-Planck-Instituts für Chemie haben für mehrere Wochen Labor und Schreibtisch gegen einen Arbeitsplatz im Tropenwald getauscht. Ziel der Expedition war es, die Atmosphärenchemie im brasilianischen Amazonasgebiet besser zu verstehen.
Welche chemischen Prozesse laufen im unberührten Tropenwald ab? Wie verändern sich diese nach großflächigen Brandrodungen? Die Auswertung der Ergebnisse ist noch in vollem Gang. Aber schon jetzt steht fest: Die mühevolle Arbeit der Forscher hat sich gelohnt. „So schnell wie der Regenwald zerstört wird, bleibt uns nur noch wenig Zeit für Forschung,“ sagt Jürgen Kesselmeier, Gruppenleiter am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz. Und der Botaniker weiß, warum er und viele Kollegen die Strapazen einer Expedition in unwegsame Urwaldregionen immer wieder auf sich nehmen: „Dass die Tropenwaldzerstörung das Weltklima beeinflusst, gilt inzwischen als sehr wahrscheinlich. Aber wir müssen genauer untersuchen, wie klimawirksame Gase und Aerosole im Wald entstehen und vor allem, welche Mengen davon gebildet werden. Nur so kann die Wissenschaft zu einer nachhaltigen Nutzung des Regenwalds beitragen.“
Rund zwei Dutzend Forscher aus Mainz reisten deshalb im Jahr 1999 nach Brasilien. Geleitet wurde die Expedition von Meinrat Andreae, wissenschaftlicher Direktor der Abteilung Biogeochemie am Max-Planck-Institut für Chemie. Im Rahmen des noch bis 2003 dauernden Forschungsprogramms „European Studies on Trace Gases and Atmospheric Chemistry as a Contribution to the Large Scale Biosphere-Atmosphere Experiment in Amazonia“ (EUSTACH-LBA) und des von der Max-Planck-Gesellschaft geförderten Projekts „Biosphere-Atmosphere Interactions in Amazonia“ (BAIA) wollen die Wissenschaftler untersuchen, welche Folgen die Zerstörung des Regenwalds und die Verwandlung großer Flächen in Felder und Viehweiden in der Amazonasregion haben. Besonders interessiert die Forscher der Austausch von klimawirksamen Gasen – wie Ozon oder Stickoxide – und Aerosolen zwischen Pflanzen, dem Boden und der Atmosphäre.